22. März 2006, 11:43
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Der Deutsche Presserat hat die umstrittene Schlagzeile "Wird sie geköpft?" in der "Bild"-Zeitung über die Entführung der Deutschen Susanne Osthoff in Irak als "presseethisch vertretbar" eingestuft. Das Selbstkontrollorgan wies zahlreiche Beschwerden gegen die Berichterstattung zurück, wie der Presserat am Mittwoch in Bonn mitteilte. Insgesamt sprach das Gremium wegen Verfehlungen gegen den Pressecodex sieben öffentliche Rügen, fünf Missbilligungen und sechs Hinweise aus.

Verständnis für "die von Emotionen geprägten Beschwerden"

Der Presserat äußerte Verständnis für "die von Emotionen geprägten Beschwerden" im Fall "Bild"/Osthoff. Für Osthoff habe aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eindeutig Lebensgefahr bestanden. "In diesem Zusammenhang konnte auch die Frage, ob sie 'geköpft' wird, gestellt werden, da auf diese grausame Art und Weise bereits mehrere Entführte hingerichtet worden waren", erklärte der Presserat. Die "Bild"-Zeitung habe "hier eine reale Gefahr in Worten abgebildet".

Zahlreiche Proteste

"Auch grausame Realitäten zu schildern und darüber zu berichten, gehört zu den Aufgaben der Presse", betonte das Selbstkontrollorgan. "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann begrüßte die Entscheidung als Klarstellung. "Objektive Berichterstattung fordert drastische Worte, wenn die Wirklichkeit selbst drastisch ist", erklärte er.

Nachdem "Bild" anfang Dezember des Vorjahres über Entführung Osthoffs mit der erwähnten Titelzeile berichtet hatte, hagelte es Proteste: "Zeit"-Herausgeber und Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann etwa forderte in einer online veröffentlichten Polemik "Schluss mit diesen Schweinephantasien", auch die Kirche übte harsche Kritik. Osthoff war schließlich nach dreiwöchiger Geiselhaft unverletzt freigelassen worden. (APA/AP)

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