Teurer Dienstleistungsscheck: Gut verkauft, kaum eingelöst

15. März 2006, 16:41
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In Wien bisher erst 50 Schecks bei Krankenkasse eingewechselt

Wien – Der mit einer Inseratenkampagne der Bundesregierung um 311.000 Euro beworbene und zu Jahresbeginn eingeführte Dienstleistungsscheck wird "überhaupt nicht angenommen", heißt es bei der Wiener Gebietskrankenkasse. Deren Sprecher Jan Pazourek sagt: "Bis Ende Februar wurden bei uns für den Großraum Wien erst 50 Schecks eingelöst. Das ist eine vernachlässigbare Größe."

Auch die Arbeiterkammer spricht von einem "Flop".‑ Insbesondere weil sich der Scheck nicht wie immer behauptet zur Legalisierung illegal Beschäftigter eignet. Das sei gesetzlich auch gar nicht vorgesehen, sagt der Leiter der AK-Sozialpolitik, Christoph Klein. Es gehe beim Dienstleistungsscheck nur um die Anmeldung zur Sozialversicherung für Menschen, die ohnedies Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt hätten.

Das Wirtschaftsministerium weist die Kritik zurück und bezieht sich auf die bisherigen Verkaufszahlen. Demnach seien in den ersten beiden Monaten österreichweit bereits rund 9000 Schecks über Trafiken und Postämter verkauft worden.

Flop oder Meilenstein

Ob das Modell ein Erfolg oder Misserfolg sei, werde erst nach einem Jahr zu beurteilen sein. Die Einbeziehung von bisher nicht versicherten Personen in die Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherung (bei freiwilliger Selbstversicherung) sei jedenfalls "ein sozialpolitischer Meilenstein". Hintergrund der Diskrepanz zwischen den Verkaufs- und Einlösezahlen bei den neuen Schecks dürfte sein, dass viele Arbeitgeber nur vorsorglich für eventuelle Kontrollen Schecks erworben haben,‑ die Haushaltshilfen diese aber gar nicht erhalten, weil sie Bargeld bevorzugen und‑ die Furcht, als jemand ohne Arbeitserlaubnis entlarvt zu werden, überwiegt.

Dabei wurde ein tatsächliches Zuckerl mitverpackt: Je Dienstleistungsscheck erwirbt man die Option, für zwei Monate zum Preis von jeweils 49 Euro kranken- und pensionsversichert zu sein. Dennoch scheint bei den Betroffenen die Furcht zu überwiegen, etwa eine Sperre beim Arbeitslosengeld zu riskieren. Dies geschieht aber erst über der Geringfügigkeitsgrenze. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.3.2006)

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