Schlaganfall ohne bleibende Schäden

22. März 2006, 14:12
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Voraussetzung: der schnellstmögliche Transport der Patienten in eine spezialisierte Spitalsabteilung - Österreich schneidet im internationalen Vergleich sehr gut ab

Wien - Die guten Nachrichten in Sachen Schlaganfall: Modernste Therapien, bei deren Anwendung Österreich international führend ist, können Dauerschäden verhindern. Die Voraussetzung dafür aber ist der möglichst sofortige Transport der Patienten in eine spezialisierte Spitalsabteilung (Stroke Unit). Das erklärten am Mittwoch Fachleute bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Time is Brain"

"Einen Schlaganfall erleiden in Österreich jedes Jahr rund 24.000 Menschen. 'Time is Brain'. Es gilt, das in einem solchen Fall aufgetretene Gerinnsel (in einer Gehirnarterie) wieder aufzulösen. Wenn diese Therapie in den ersten drei Stunden erfolgt, haben die Patienten sehr große Chancen", sagte Univ.-Prof. Dr. Wilfried Lang aus Anlass der in Wien stattfindenden 4. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie.

Das Konzept haben sich die Neurologen ehemals von den Herzspezialisten abgeschaut. Es handelt sich bei der Behandlung um eine Thrombolyse, also die Gabe des gentechnisch hergestellten Medikaments rt-PA. Es löst den Thrombus, der im Rahmen eines ischämischen Schlaganfalles im Gehirn entstanden ist, wieder auf. Dadurch wird die Blutversorgung des betroffenen Gehirnareals hoffentlich noch vor bleibenden Schäden wieder hergestellt.

Österreich bietet gute Chancen

Dazu ist aber die rasche Erkennung der Gefahr und die sofortige Aufnahme des Patienten in eine Spezialabteilung notwendig. Die Chancen dafür stehen in Österreich gut. Lang, Neurologe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien: "Die 21 österreichischen 'Stroke Units' sind als Versorgungsnetzwerk weltweit führend. Die meisten Schlaganfallpatienten können binnen weniger als 45 Minuten in eine solche Abteilung gebracht werden."

Dem entsprechend hoch sind in Österreich bereits die Thrombolyse-Raten bei Schlaganfallpatienten. Im Jahr 2003 wurden 4,9 Prozent der Betroffenen so behandelt, im vergangenen Jahr waren es bereits 7,8 Prozent.

Bei Schlaganfall-Erkrankten, die innerhalb von drei Stunden ins Spital kamen, lag der Anteil der per Gerinnsel-Auflöser Behandelten im Jahr 2004 bei 28,2 Prozent, im Jahr 2005 schon bei 43 Prozent. Die Vergleichszahl aus den USA: Dort bekamen diese potenziell lebensrettende und dauernde Invalidität verhindernde Behandlung nur 13 Prozent der dafür in Frage kommenden Patienten. Mittlerweile landen schon 41 Prozent der Betroffenen in Österreich binnen nur 90 Minuten in einer spezialisierten Abteilung.

Auf Vorboten achten

Der Neurologe: "Bei 60 bis 70 Prozent der Patienten kann man mit Thrombolyse das Gerinnsel wieder auflösen." Mit an die 70 derartiger Behandlungen pro Million Einwohner und Jahr wird die Alpenrepublik international nur noch von Finnland (fast 100 Thrombolysetherapien nach Schlaganfall pro Million Einwohner und Jahr) geschlagen.

Besonders wichtig wäre es allerdings, wenn Betroffene beziehungsweise ihre Angehörigen auch die Vorboten eines Insults - das vorübergehende "Schlagerl" - erkennen und ernst nehmen würden. Binnen zwei Tagen nach solchen Symptomen wie vorübergehender Verwirrtheit, Sprachstörungen etc. erleiden nämlich rund 50 Prozent einen "echten" Schlaganfall. (APA)

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