Juravenator, der Raubdinosaurier aus Bayern

22. März 2006, 14:27
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Gänsegroßes Jungtier hervorragend erhalten - bislang unbekannte Spezies wurde neuer Gattung zugeordnet

München - Einen bisher unbekannten Raubdinosaurier haben Forscher in Bayern entdeckt. Es handle sich um einen Jahrhundertfund, erläuterte die Münchner Paläontologin Ursula Göhlich. Das 75 Zentimeter lange Jungtier sei der besterhaltene zweibeinige Raubsaurier, der je in Europa gefunden wurde. Die Forscherin präsentiert das Tier zusammen mit einem US-Kollegen im britischen Fachjournal "Nature" vom Donnerstag.

Der Saurier habe vor rund 150 Millionen Jahren und damit in der Jurazeit gelebt. Die Forscher nannten ihn Juravenator starki. Das Tier von der Größe einer Gans gehört zur Gruppe der Coelurosaurier, den Fleisch fressenden kleinen Sauriern, die auf zwei Beinen gingen. Mit dem Fund gibt es laut Göhlich nun nicht nur eine neue bekannte Art, sondern sogar eine neue Gattung.

Selbst Weichteil-Abdruck enthalten

Das Tier lebte auf einer Insel im flachen Jurameer, das damals ganz Süddeutschland bedeckte. Das außergewöhnliche Fossil wurde bei einer Grabung des Jura-Museum Eichstätt in Kalkplatten bei Schamhaupten im Naturpark Altmühltal gefunden. Die Plattenkalke dieser Region sind unter anderem bekannt für die berühmten Fossilen des ältesten Urvogels der Welt, Archaeopteryx. Zuletzt war dort vor rund 150 Jahren ein gut erhaltener Raubsaurier gefunden worden.

Sogar der Abdruck von Weichteilen sei bei dem neuen Fund in der Kalkplatte erhalten. Das sei sehr außergewöhnlich, sagte Göhlich, die den Saurier zusammen mit ihrem US-Kollegen Luis Chiappe ein Jahr lang untersuchte. Derzeit arbeitet die Wissenschafterin am Naturhistorischen Museum in Wien.

Die Sache mit dem Gefieder

Die Hautoberfläche des noch jungen Tieres sei höckerig gewesen und habe kleine pustelartige Erhebungen aufgewiesen. Es gebe aber keine Hinweise auf Federn, wie nach bisherigen Erkenntnissen bei einem Coelurosaurier aus der Jura-Zeit zu erwarten gewesen wäre. "Die Entwicklung der Federn ging somit komplizierter vonstatten als gedacht", sagte Göhlich. Damit müsse die wissenschaftliche Debatte über die Entstehung des Federkleides bei Dinosauriern neu geführt werden. (APA/dpa)

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