Österreichische Forscher widmen sich wieder Franz-Josef-Land

19. März 2006, 20:19
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Forschungsprojekt im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/08 geplant

Wien - Nicht nur tatsächlich aus der Vogelperspektive, sondern auch im übertragenen Sinne ist das zu Russland gehörende Franz-Josef-Land für Klimatologen ein weißer Fleck in der Landschaft. "Wir wissen wenig über diese in einem sensiblen Bereich liegende Inselgruppe", erklärte dazu Wolfgang Schöner von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. Mit einem Forschungsprojekt im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/08 sollen die Wissenslücken gefüllt werden.

Schlüsselrolle der Pole

"Franz-Josef-Land ist für die Wissenschafter insofern höchst interessant, da es in einer höchst sensiblen klimatischen Zone liegt", so Schöner. Hier verläuft nämlich die Grenze zwischen Packeis und offenem Meer. Klimaschwankungen oder auch Änderungen von Meeresströmungen sind so leicht zu beobachten und dokumentierbar.

Meteorologen und Klimaforscher sind sich generell einig, dass den Polen bezüglich des Erdklimas eine Schlüsselrolle zukommt. Die Ursache dafür sind die so genannte Albedo und damit verbundene Rückkoppelungseffekte. Schnee und Gletscher werfen nämlich einen guten Teil des einfallenden Sonnenlichts in den Weltraum zurück. Schmilzt ein Teil des polaren Eises durch geringe Erwärmung, wird weniger Wärme reflektiert, die Erwärmung beschleunigt sich. Umgekehrt kann eine sich ausbreitende Eisdecke zur rasanten Abkühlung führen.

Altösterreichische Entdeckung

Österreichische Wissenschafter haben einerseits einen historischen Bezug zu Franz-Josef-Land. So wurde die unbewohnte Inselgruppe, die nur rund 900 Kilometer vom Nordpol entfernt ist, durch Julius Payer und Carl Weyprecht während einer Expedition 1873 entdeckt und auch erstmals wissenschaftlich untersucht.

Heimische Forscher arbeiten aber auch seit Jahren intensiv in den Alpen an klimatologisch-biologischen Aspekten und vergleichen diese mit den Verhältnissen in der Arktis. Der Unterschied ist, dass etwa Kälte liebende Pflanzen bei einer Erwärmung in den Bergen nach oben wandern, in der Arktis dagegen nach Norden. An den geplanten Arbeiten mit dem Projekttitel "FERMAP" zum Polarjahr sind 15 universitäre und drei außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt. (APA)

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