Valdivia – neuer Stern am Sherryhimmel

19. März 2006, 17:30
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Während die Branche Verkaufsrückgänge beklagt und nach Alternativen sucht, gibt es entgegen dem Trend auch neue Bodegas am Markt. Ein Portrait der Bodegas Valdivia in Teil 17

Eine Investitionssumme von rund 30 Millionen Euro, 20.000 m2 Bodegafläche und 10.000 Fässer im Barrio Santiago in Jerez de la Frontera – nicht schlecht für einen Neueinsteiger. Groß geworden mit Zement, beschlossen die Damen und Herren hinter der Firma Cementos Intermonte S.L. Anfang des neuen Jahrtausends ins Sherry- und Brandygeschäft einzusteigen und scharten ein professionelles Team von Önologen, Vertriebsprofis etc. um sich, das den Qualitätsanspruch der neuen Bodega in die Tat umsetzen soll und dabei bewusst auf das „Massengeschäft“ verzichtet.

Alte Soleras und 250 ha Weingarten

Als Basis dienen zum Teil sehr alte Soleras diverser Almacenistas, den Keller (der ursprünglich Ruiz Mateos gehörte) erwarb man von Medina. Um auch in Zukunft Topqualität garantieren zu können, investierte man auch in 250 ha Weingarten in Jerez Superior - „Pago de la Plata“ in Gibalbin, der großteils mit Palomino bepflanzt ist. Daneben stehen Sauvignon Blanc und Chardonnay für ein in naher Zukunft startendes Vinos de la Tierra-Projekt.

Der Komplex in Jerez besteht aus den Bodegas Valdivia (Sherry), Pedro de Valdivia (Brandy) und Sacromonte (Sherries mit Altersbezeichnung) und der Villa del Duque, einer mit äußerster Liebe zum Detail renovierten Villa, die für Veranstaltungen, Seminare, Incentives etc. als Ganzes gemietet werden kann (inklusive 11 Zimmern) und ist auf jeden Fall einen Besuch wert – wie oft kommt man schon in die Lage eine komplett neu installierte, hochmoderne Sherry-Bodega ohne Patina sehen zu können?

Start 2005

Der endgültige Start erfolgte 2005, nach 2 jähriger Renovierungszeit, der Installierung der Kellereianlagen und des hochmodernen Labors (das auch für andere Bodegas Untersuchungen durchführt). Geplant ist für heuer ein Exportanteil von 20 %, den man in den nächsten Jahren auf 50 % erhöhen will.

Während bereits die „einfache“ Linie Reifezeiten von bis zu zehn Jahren aufweist, hat die Sacromonte-Linie ein Mindestalter von 15 Jahren. Gesamt betrachtet beeindruckt die Serie mit durchgehend sehr hohem Niveau. Nachfolgend die Weine im Detail – die Punkte entsprechen dem Der Standard 10 Punkte Schema (0 – 1,9 Punkte: neutral bis einfach, fehlerfreie Basisqualität. 2 – 3,9 Punkte: Weine mit Frucht und Substanz, die bereits viel Spaß bereiten. 4 – 5,9 Punkte: sehr gute Weine mit klarer Frucht, ausdrucksstark, mit Finesse und Harmonie. 6 – 7,9 Punkte: ausgezeichnete, beeindruckende Weine, die weit über dem Durchschnitt liegen mit viel Substanz und außerordentlicher Fülle. 8 – 10 Punkte: große Weine, am Rande der Perfektion).

Die Weine im Detail

Valdivia Fino: 6 jähriger Fino mit ausgeprägter und vielschichtiger Jod-Hefestilistik, etwas Mandel, sehr frischer Eindruck, grüner Apfel zum Reinbeißen, etwas Fenchel, am Gaumen sehr cremig, harmonische Meerbrise, wieder Apfel, salzige Aromen gehen wunderbar auf und unterstreichen den langen Abgang, Säure präsent, aber gut integriert – 7,5 Punkte

Amontillado Dorius: helles Bernstein, sehr klare, kräftige Haselnussaromatik, Hauch von Meer, etwas Karamell, dahinter noch präsente Flornoten, am Gaumen schönes Wechselspiel Nuss – Salz, sehr würzige Aromatik mit etwas Vanille, Nussbrot, Mokka kommt nach und nach und bleibt im Abgang stehen, unterstützt durch Jodspitzen, gut integrierte Säure, Fino stehts präsent – 7 Punkte

Amontillado Sacromonte: tiefgründige Nase, Nüsse im Vordergrund, etwas Kakao und Malz, Karamell, Kümmel, Hefe kaum noch spürbar, am Gaumen sehr ölig und breit, auch hier Walnussdominiert, ganz hinten feine herbe Spitzen, breitet sich aus, kräftiger Alkohol, aber nicht dominant, Kakaonoten bleiben stehen, sehr lang – 8 Punkte

Oloroso Amber: mittleres Bernstein (für Oloroso ungewöhnlich hell), Kakao, viel Bitterschokolade, Karamellnoten, vielschichtig, am Gaumen Nuss pur, Mokkakonzentrat, etwas Restsüße, balsamische Noten, Trockenfrüchte, geht auf, balsamische Noten und Nuss im mittleren Abgang – 6,5 Punkte

Oloroso Sacromonte: dichte und intensive Nase, Olive, wuchtige Mokkanoten, Walnuss, Haselnuss, sehr verwoben, Malz, milde Salzigkeit, am Gaumen ölig breit, dabei sehr präzise, Kaffee, Toffee, erfrischende Säure, wirkt sehr jugendlich, salzige Noten, viel Körper, sehr harmonisch, Datteln und Trockenfrüchte im langen Abgang – 8,5 Punkte

Amontillado Medium Prune: etwas von Süße überdeckte Nase, viel Milchschoko, Haselnuss, Kräuter, Amontillado am Gaumen sehr schön präsent, durch Süße pflaumige Noten, harmonisches Süße-Säurespiel, viel Kakao, der auch im mittleren Abgang sehr präsent bleibt – 5,5 Punkte

Cream Atrium: klare Olorosonase, „kleiner Schwarzer mit Schuss“, reife Nuss, Mokka, Pedro Ximénez am Gaumen sehr präsent, extrem viel Schoko, wieder kalter Mokka, Malz, dahinter stützende, leicht salzige Töne, sehr breit und dabei sehr präzise, Orangen, Lebkuchen, wärmend, Rosinen und Mokka im langen Abgang – für Cream ausgezeichnet – 7 Punkte

Pedro Ximénez: sehr klare, saubere Rosinen, überreife Feigen, Rosinengelee, Mokka, etwas Kräuter, rauchige Noten, Honig, wirkt trotz üppiger Süße am Gaumen fast schlank, sehr feingliedrig, erfrischende Salzspitzen, Mokkakonzentrat, das mit Rosinen im sehr langen Abgang endlos stehen bleibt – 9 Punkte

Pedro Ximénez Sacromonte: fast schwarzes Konzentrat, vielschichtige balsamische Noten, Feigen, Rosinen, barocke Üppigkeit mit feiner Ziselierung, Mokka, sehr dicht und eingedickt, Orangen, Kräuter, reife Feigennoten, üppige Süße gut integriert, rauchig, ausgewogen, etwas Pfeffer, schmiert nie zu, ewiger Abgang mit interessantem Malz-Kräuterspiel, Mokka und Bitterschokolade – 9 Punkte

Von Klaus Hackl

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Beispiel über
www.bodega-andaluza.com
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