Neue Zores im Refco-Krimi

27. März 2006, 10:32
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Noch sind die Kredit­ausfälle nicht verdaut, schon droht der Bawag neues Ungemach: US-Ermittler spüren suspekten Karibik-Konten mit 525 Millionen Dollar nach

Wien – Kaum ist es nach der Refco-Pleite und dem 425- Mio.-Euro-Kredit der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag P.S.K. an das US-Brokerhaus Refco und seinen Ex- Chef Phillip Bennett ruhig geworden, dräut neues Ungemach aus den USA und der Karibik heran. Der Refco-Krimi könnte seine Fortsetzung finden.

Laut der US-Nachrichtenagentur Bloomberg sind die US-Ermittler auf Refco-Konten auf den Bermudas gestoßen, auf denen 525 Mio. Dollar (umgerechnet rund 438 Mio. Euro) liegen, und die sich möglicherweise aus gefälschten Anleihen ("fake bonds") speisen. Eigentümer dieser Phantom-Papiere wiederum sollen sechs Gesellschaften sein, die auf der kleinen karibischen Steuerparadies-Insel Anguilla beheimatet sind.

Der Link zur Wiener Bank: "Die Bawag oder Kunden von ihr" und ein Offshore-Hedgefonds namens Liquid Opportunity sollen an den sechs im Juli 2004 gegründeten, karibischen Gesellschaften beteiligt sein, zitiert Bloomberg anonyme Informanten.

Über eine liechtensteinische Partnerschaft hätten Liquid-Opportunity-Manager Jonathan Knight und die Bawag in zwei Dutzend Unternehmen investiert, heißt es laut Bloomberg in Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC.

Die 525 Mio. Dollar habe Refco in ihren Büchern als "Assets", also als Vermögen, verbucht. Die Frage, wer die Anleihen begeben hat, wenn sie denn jemand begeben hat (sie sollen mit nicht-existenten Registrierungsnummern versehen sein), versuchen US- Ermittler und Börsenaufseher derzeit zu klären.

Die Bawag P.S.K. selbst hat am Mittwoch zu den neuen Vorwürfen Stellung genom men, bringt aber kein Licht ins karibische Dunkel. Die im Bloomberg-Bericht angeführten Informationen entstammten "offenbar einer vorläufigen Gläubigerliste aus dem Refco-Insolvenzverfahren. Wie die Werte (...) zustande gekommen sind, ist nicht nachvollziehbar", schreibt die Bawag. Es sei "bekannt, dass sich die Bawag 1999 an Refco mit zehn Prozent beteiligt hat, diese Beteiligung ist 2004 beendet worden. Über die reine Beteiligung hinaus hat Bawag mit Refco auch operative Geschäftsbeziehungen unterhalten", hieß es in der 18 Zeilen schlanken Stellungnahme.

Weiters führt die Bawag aus, dass die Refco-Gläubiger "vom Gericht bisher nicht offiziell aufgefordert wurden, ihre Forderungen anzumelden." Die Bawag ihrerseits werde "das noch bestehende Gesamtrisiko (...) von rund 392 Mio. Euro anmelden."

Zur Erinnerung: Die Gewerkschaftsbank vergab den Kredit im Oktober 2005 über Nacht, Stunden später wurde Bennett wegen Betrugsverdachts verhaftet und Refco ging pleite. Im Dezember trat Bawag-Chef Johann Zwettler zurück, Ewald Nowotny beerbte ihn. Die Bawag klagte Refco bzw. Bennett auf 350 Mio. Euro. Den Rest der ausständigen Refco-Kredite hat die Bank bereits verkauft; bilanziell wird Nowotny die entsprechenden Vorsorgen in der Bilanz 2005 unterbringen.

Im Zusammenhang mit vorläufigen Gläubigerlisten berichtet Bloomberg von rätselhaften Vorkommnissen: Besagte sechs Karibik-Gesellschaften hätten zunächst Forderungen von 534 Mio. Dollar gemeldet, in den gerichtlichen Insolvenzverfahren seien sie dann aber nicht mehr aufgeschienen. Refco habe vier karibische Unternehmen von ihren Gläubigerlisten gestrichen, den zwei übrigen "schulde man nichts". "Plötzlich war eine halbe Milliarde Dollar Verbindlichkeiten verschwunden.

Es war, als hätten sie nie existiert", zitiert Bloomberg einen New Yorker Gläubigeranwalt. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.3.2006)

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    Im Refco-Krimi droht aus der Karibik neuer Ärger für die Bawag: Diesmal soll es um insgesamt 525 Millionen Dollar gehen.

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