Alkohol als Problem der unter 16-Jährigen

15. März 2006, 13:38
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Suchtexperte hält nichts von strengeren Strafen oder Anhebung der Altersgrenze

Ein neues österreichweit einheitliches Jugendschutzgesetz könnte auch neue Bestimmungen in Sachen Alkohol und Jugendliche bringen.

Bisher sind die Altersgrenzen für Alkohol-Kauf und Konsum in den föderalistisch geregelten Jugendschutzgesetzen verankert. Auch wenn sie im Einzelnen voneinander abweichen, ist es Jugendlichen unter 16 Jahren in ganz Österreich verboten, Bier, Schnaps oder Wein zu kaufen oder öffentlich zu konsumieren. Der Blick auf die Realität zeigt allerdings, dass 90 Prozent der unter-16-jährigen Österreicher bereits Erfahrung mit Alkohol gesammelt haben, so Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek vom Anton-Proksch-Institut.

Immer mehr Trinker

"Immer Jüngere trinken immer mehr - vor diesem Problem stehen wir heute", sagte Musalek im APA-Gespräch. Während das Einstiegsalter etwa vor 40 Jahren noch bei 16 bis 18 Jahren lag und vor 20 Jahren zwischen 14 und 16 Jahren, greifen heute bereits die zwölf bis 13-Jährigen zur Flasche.

Der jüngsten WHO-Studie zufolge konsumieren in der Altersgruppe der 15-Jährigen 33,1 Prozent der Mädchen und 35,9 Prozent der Burschen regelmäßig alkoholische Getränke. Bei den 13-Jährigen sind es immerhin 3,9 Prozent der Mädchen und 8,1 Prozent der Burschen. Sogar unter den Elfjährigen gaben 1,4 Prozent der Mädchen und 4,6 Prozent der Buben an, ein Mal wöchentlich Alkohol zu trinken.

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Von einer Anhebung der Altersgrenzen für die Abgabe und den Konsum von Alkohol hält Musalek wenig. Die Realität würde bereits jetzt belegen, dass die bisher geltenden Jugendschutzgesetze, die er durchaus für gut befindet, zu beinahe 100 Prozent nicht eingehalten werden. Auch strengere Strafen würden hält Musalek für wenig effektiv, da dies nur zu einer Kriminalisierung der Jugendlichen führt.

"Ein neues Jugendschutzgesetz hat aber den Vorteil, dass das Problem wieder ins Gespräch kommt", so der Experte. Die von der Sozialministerin Ursula Haubner angedachte Harmonisierung der Jugendschutzregelungen müsse daher unbedingt von einer Informationskampagne begleitet werden, in der über Gefahren und Folgen von Alkoholmissbrauch aufgeklärt wird.

(APA)

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