Massendemos und Generalstreik

17. März 2006, 14:38
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Empörung über Vorgehen Israels - Livni: Neuer Prozess gegen verurteilten Mörder Saadat angestrebt - Alle Geiseln wieder frei

Jerusalem/Jericho - Mit einem Generalstreik haben die Palästinenser am Mittwoch gegen die Erstürmung eines Gefängnisses im Westjordanland durch israelische Soldaten protestiert. In Ramallah, Nablus und Hebron im Westjordanland zogen tausende Menschen mit Bildern von Ahmed Saadat, dem Chef der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), der am Vortag bei einer israelischen Militäraktion verhaftet worden war, durch die Straßen.

Die israelische Armee hatte Saadat und fünf weitere Häftlinge nach der stundenlangen Belagerung des palästinensischen Gefängnisses in Jericho gefangen genommen. Danach war es zu heftigen Unruhen in den palästinensischen Gebieten gekommen, bei denen auch elf Ausländer entführt worden waren. Mehrere Einrichtungen der EU im Gaza-Streifen wurden angezündet.

Alle am Dienstag als Geiseln genommenen Personen wurden zwar am Mittwoch wieder freigelassen. Dennoch hat die EU die Palästinenserbehörde vor Kürzungen der Hilfsgelder gewarnt, sollten die Übergriffe auf EU-Einrichtungen und die Geiselnahmen nicht aufhören. "Wenn das weitergehen sollte, wird es natürlich eine Überprüfung unserer Hilfen geben. Und die ersten, die darunter zu leiden hätten, wären die Palästinenser selbst", sagte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner am Dienstag. Zugleich verurteilte sie den Angriff auf das Gefängnis: "Ich denke, dass wir diese Aktion Israels verurteilen müssen." Israels Außenministerin Zipi Livni bekräftigte die Absicht der Regierung, Saadat erneut vor Gericht zu stellen. Verteidigungsminister Shaul Mofaz wies Vorwürfe zurück, die Militäraktion zwei Wochen vor der Wahl habe nur dazu gedient, konservative Wähler für die Partei Kadima von Premier Ehud Olmert zu gewinnen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach indes von einem unentschuldbaren Verhalten Israels. "Was passiert ist, ist eine hässliche Straftat, die nicht zu verzeihen ist", sagte Abbas bei einem Besuch in Jericho. Israel demütige mit dieser Politik das palästinensische Volk. (Reuters, AFP, dpa, red, DER STANDARD, Print, 16.3.2006)

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    Auch in Nablus versammelten sich tausende Demonstranten, um gegen die Festnahme zu protestieren.

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