Etel zahlt 30 Millionen Euro für Eunet

28. März 2006, 19:17
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Heuer noch zwei Akquisitionen in Osteuropa geplant - Mitarbeiter sollen "nur vereinzelt" abgebaut werden - eTel-Gruppe prüft weiterhin Börsegang

Wien - Mit der Übernahme des auf Geschäftskunden spezialisierten österreichischen Internetproviders Eunet festigt der Telekombetreiber eTel seine dritte Position hinter Tele2UTA und UPC Telekabel/Inode im alternativen heimischen Telekommarkt. Der Kaufpreis liegt bei 30 Mio. Euro, wobei mehr als 20 Mio. Euro davon für die Schuldenabdeckung von Eunet verwendet wurden, sagte der Vorsitzende der eTel-Gruppe, Bernard Somers, und eTel Austria-Chef Achim Kaspar am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Die Übernahme der Eunet sei für eTel ein "Meilenstein", nun werde man die "zwei Kanus zu einem Katamaran ausbauen, um am österreichischen Telekommarkt der Konkurrenz davonzusegeln", kommentierte Kaspar den Deal. Der Fokus liege weiterhin auf Geschäftskunden. Mit Eunet bekommt eTel Austria, die im Vorjahr mit 125.000 Kunden 76 Mio. Euro Umsatz erzielte, 100.000 Kunden und 27 Mio. Euro Umsatz dazu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von eTel Austria betrug im Vorjahr 3,2 Mio. Euro. Gemeinsam kommen eTel und Eunet künftig auf mehr als 100 Mio. Euro Umsatz, 250 Mitarbeiter und 225.000 Kunden.

Kein größerer Mitarbeiterabbau geplant

Neben der Marke Eunet will eTel auch die 80 Vollzeitarbeitskräfte und 40 Teilzeit-Call Center-Mitarbeiter von Eunet übernehmen. Es werde nur "vereinzelt Anpassungen" im Zuge von Synergieeffekten geben, ein größerer Mitarbeiterabbau sei nicht geplant, wiewohl es "keine Jobgarantie für niemanden" gebe, sagte Kaspar. eTel selbst hat mehr als 170 Mitarbeiter. Finanziert wird die Übernahme zum Großteil mit Eigenkapital, ein kleiner Teil wird von Fremdkapital eines österreichischen Finanzpartners gestellt.

Sollten sich in Österreich weitere Akquisitionsmöglichkeiten ergeben, werde man diese prüfen, wiewohl das Hauptaugenmerk nun auf der Integration der Eunet liege, sagte Kaspar. 50 Prozent der Eunet-Kunden sind Geschäftskunden, darunter etwa AUA, OMV, ÖBB, Libro und die oberösterreichische Landesregierung. Synergien verspricht sich Kaspar von der Zusammenführung der Netze, Systeme und Lizenzkosten sowie vom gemeinsamen Einkauf von Megabit und Infrastruktur.

Expansion in Osteuropa

Auch in Osteuropa ist eTel auf Expansionskurs: Wahrscheinlich werde es noch heuer zwei weitere Transaktionen in Tschechien, der Slowakei, Polen oder Ungarn geben, kündigte Somers an. Die irische eTel-Gruppe, die neben Österreich in Tschechien, der Slowakei, Polen und Ungarn sowie Deutschland tätig ist, erzielte 2005 mit 360 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 102 Mio. Euro. Das Unternehmen prüft derzeit einen Börsegang, als Börseplätze werden London und Wien ins Auge gefasst. Bisher sei noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, sagte eTel-Gründer und Aufsichtsrat der eTel Austria, Sean Melly. Die Etel-Group wurde 1999 in Dublin gegründet und gehört privaten und institutionellen Investoren.

eTel kaufte 2001 den österreichischen Internetpionier RSL COM. eTel hat in den vergangenen Jahren weitere Mitbewerber gekauft, darunter MCN, Tera Com, European Telecom, comquest und yc networks.

Provider mit bewegter Geschichte

Eunet wurde 1991 als Österreichs erster Business-Internet-Provider gegründet und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Jahr 1998 erfolgte die Übernahme durch Qwest und die Umbenennung in KPNQwest Austria. Das Unternehmen schlitterte im Juni 2002 in die Insolvenz. Im Juli erfolgte der Neustart mit neuen Investoren, die das Unternehmen wieder in Eunet umbenannten und 2003 an den italienischen Internetanbieter Tiscali verkauften. 2005 erwarb der US-Investor Jordan Industries das Unternehmen, dessen Tochterunternehmen Air Call bereits 2003 den österreichischen Internetanbieter Nextra übernommen hatte.

eTel sehe sich als Vollanbieter und wolle "maßgeschneiderte Produkte" verkaufen, man werde keine Produkte bei Hofer und Billa in die Regale stellen, sagte Kaspar in Anspielung auf einige Mobilfunkunternehmen, die im Lebensmittelhandel Handywertkarten verkaufen. (APA)

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