"Mütter von Srebrenica" fordern Verurteilung von Milosevic

15. März 2006, 11:19
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Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hat trotz des jahrelangen Verfahrens kein Urteil gesprochen

Sarajevo - Angehörige der rund 8.000 bei dem Massaker von Srebrenica umgekommenen Männer haben trotz des Todes von Slobodan Milosevic eine Verurteilung des ehemaligen jugoslawischen Machthabers gefordert. Die Organisation "Mütter von Srebrenica" kritisierte am Dienstag, dass das UNO-Kriegsverbrechertribunal im niederländischen Den Haag trotz des jahrelangen Verfahrens kein Urteil gesprochen hat.

Milosevic stand seit dem 12. Februar 2002 vor Gericht. Sollte das Gericht nicht effizienter werden, könnte es sich die Mühe sparen, über weitere mutmaßliche Kriegsverbrecher wie Radovan Karadzic und Ratko Mladic zu urteilen.

Prozess eingestellt

Das Tribunal hatte den Prozess gegen Milosevic am Dienstag formell eingestellt, nachdem der 64-Jährige vor drei Tagen in seiner Zelle tot aufgefunden worden war. Eine Obduktion ergab als vorläufiges Ergebnis einen Herzinfarkt. Milosevic war wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Bosnien, Kroatien und im Kosovo während der 90er Jahre angeklagt.

Unter anderem wurde Milosevic vorgeworfen, für das Massaker von Srebrenica mitverantwortlich zu sein. Das Verbrechen gilt als schlimmste Gräueltat an Zivilisten in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. In der ostbosnischen Stadt und damaligen UNO-Schutzzone erschossen im Bosnien-Krieg serbische Truppen in den Tagen nach dem 11. Juli 1995 etwa 8.000 moslemische Männer und Buben. Einige der Opfer wurden aus Massengräbern geborgen und wieder bestattet. Viele wurden noch immer auf nicht identifiziert. (APA/Reuters)

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    Etwa 8.000 Männer sind bei dem Massaker von Srebrenica umgekommen - Ihre Angehörigen fordern Gerechtigkeit.
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