Russische Ärzte werfen Kollegen "grobe Fehler" vor

17. März 2006, 10:21
109 Postings

Herzspezialist: Jugoslawischer Ex-Präsident hätte durch Operation gerettet werden können

Den Haag/Moskau/Belgrad - Russische Ärzte haben "grobe Fehler" ihrer niederländischen Kollegen bei der Behandlung des verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic kritisiert. Milosevic hätte durch eine Operation gerettet werden können, sagte der führende russische Herzspezialist Leo Bokerija (Bokeria) nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass vom Mittwoch in Den Haag. Bokerija und mehrere russische Ärzte hatten sich am Vortag mit den Ergebnissen der Autopsie des an einem Herzinfarkt gestorbenen Gefangenen des UNO-Tribunals vertraut gemacht.

"Hätte noch lange Jahre gelebt"

Milosevic sei nur gegen offen zu Tage tretende Symptome wie Bluthochdruck behandelt worden, kritisierte Bokerija. Dabei sei bei dem Patienten eine Arterie an zwei Stellen defekt gewesen. Bei Milosevic hätten zwei Koronar-Stents (Gefäßprothesen) gesetzt werden können, "und dann hätte er noch lange Jahre gelebt". Bokerija hatte Milosevic bereits früher in Den Haag untersucht.

UNO-Tribunal lehnte Verlegung wegen Fluchtgefahr ab

Milosevic hatte im Februar darum gebeten, an das von Bokerija geleitete Bakulew-Herzzentrum nach Moskau verlegt zu werden. Obwohl die russische Regierung eine Rückkehr des Angeklagten garantierte, lehnte das UNO-Tribunal den Antrag wegen Fluchtgefahr ab. Nach dem Tod Milosevics erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow, das Tribunal habe Russland misstraut, jetzt misstraue Russland den offiziellen Angaben zur Todesursache.

Unterhaus fordert internationale Untersuchung

Das russische Unterhaus forderte unterdessen eine "internationale unabhängige Untersuchung" zu den Todesumständen Milosevics. In einer am Mittwoch einstimmig verabschiedeten Resolution sprachen sich die Abgeordneten der Duma zudem dafür aus, dass die laufenden Ermittlungen des Haager Tribunals eingestellt werden sollten. (APA/dpa/AFP)

Share if you care.