Wie lange wird der Winter noch dauern?

21. März 2006, 12:00
50 Postings

Es antwortet: Manfred Spatzierer, Chefmetereologe des österreichischen Wetterdienstes Meteomedia

derStandard.at: Wie lange wird der Winter noch dauern?

Spatzierer: Verlässlich lässt sich nur die kommende Woche vorhersagen. Am Sonntag ist eine leichte Erwärmung zu erwarten, die Temperaturen werden bis über 10 Grad steigen. Doch schon in der Nacht auf Montag kommt es wieder zu einer Abkühlung. Ein Frühlingsbeginn ist also weiterhin nicht in Sicht.

derStandard.at: Also tatsächlich Schnee bis Mai?

Spatzierer: Sich dazu zu äußern würde wohl eher in den Bereich der Fabeln und Märchen fallen. Das kann man seriöserweise jetzt noch keinesfalls behaupten.

derStandard.at: Könnte man diesen Winter als "Rekordwinter" bezeichnen?

Spatzierer: Ein Rekordwinter ist der heurige Winter sicher nicht. Was außergewöhnlich ist, ist die hohe Menge an Neuschnee und dass alle drei Wintermonate unter dem Temperaturendurchschnitt lagen. Deswegen gab es auch zwischen den Schneefällen keine langen Tauperioden, die sonst dafür sorgen, dass die Schneedecke abschmilzt, bevor neuer Schnee fällt. Also wir haben nicht das "Schlimmste" durchgemacht, aber doch etwas einigermaßen Seltenes.

derStandard.at: Kann man aus dem harten Winter einen ursächlichen Zusammenhang auf den kommenden Sommer ableiten?

Spatzierer: Kann man nicht. Der kommende Sommer kann so durchwachsen oder wechselhaft wie der letzte und so sonnig und heiß wie der Rekordsommer vor drei Jahren werden. Mit dem Winter hat das nichts zu tun. Meterologen, die schon mal im März eine Prognose für den Sommer wagten, sind meist mit ihren Vorhersagen ziemlich falsch gelegen. Statistisch gesehen gibt es keinerlei Zusammenhang.

derStandard.at: Lassen sich, klimatisch gesehen, meterologische Tendenzen für Mitteleuropa erkennen?

Spatzierer: Die globale Erwärmung ist nicht von der Hand zu weisen, auch im Alpenraum ist es im Schnitt in den letzten 100 Jahren wärmer geworden. Schwankungen nach oben und auch nach unten wird es aber immer geben und möglicherweise nimmt die Schwankungsbreite sogar zu.

derStandard.at: Was war, statistisch gesehen, in den letzten 20 bis 30 Jahren der härteste Winter?

Spatzierer: Ganz kategorisch kann man sagen: Der kälteste Winter in Mitteleuropa der letzten 30 Jahre war jener 1984/85, als auch wir von zwei arktischen Kältewellen heimgesucht wurden. Der Winter dieses Jahr liegt in einer Kategorie mit den Wintern 1978/79, 1985/86 und 1995/1996 die ähnlich kalt und schneereich waren.

derStandard.at: Alle reden vom Wetter, aber keiner unternimmt was dagegen. Bekommen Sie mehr Beschwerde-E-Mails als sonst?

Spatzierer: Ich bekomme viele Mails, die scherzhaft bis ungeduldig gehalten sind. Die sind aber hauptsächlich von Bekannten, die mich anflehen endlich was zu tun.

derStandard.at: Wie gehen Sie mit dem Schneefrust um?

Spatzierer: Ich gehe abends joggen. Die Schneedecke federt die Schritte und die Bewegung macht dem Frust den Garaus. (mhe)

Manfred Spatzierer ist Mitbegründer von Meteomedia. Die Hauptaufgabe des Meteorologen liegt in der kontinuierlichen Verbesserung der Prognosen. Darüberhinaus betreut er die Gebiete Wetterforschung, Entwicklung und Technik.

Sie haben eine Einserfrage? Dann her damit, wir suchen für Sie ExpertInnen, die diese beantworten können.

Nachlese

Alle bisherigen Einserfragen

  • Artikelbild
Share if you care.