A1-Mobilkom darf einkaufen: Drei Milliarden für Mobis & Mobtel

20. März 2006, 14:39
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Trotz drei Milliarden Euro Einkaufsbugdet bekommen die Telekom-Aktionäre eine um 129 Prozent erhöhte Dividende ausbezahlt

A1-Mobilkom darf in Serbien und Bosnien um drei Milliarden Euro einkaufen, und trotzdem bekommen die Telekom-Aktionäre eine um 129 Prozent erhöhte Dividende ausbezahlt. Wien - Draußen raues Winterwetter, drinnen wohlige Wärme - und Feierstunde. Das waren die Rahmenbedingungen der letzten Bilanz-Pressekonferenz der Telekom Austria (TA) mit Generaldirektor Heinz Sundt am Dienstag. Dessen Frohbotschaften: Der Gewinn ist im Jahr 2005 um 83,5 Prozent auf 417,1 Millionen Euro gestiegen, die Dividende wird auf 55 Cent pro Aktie erhöht, und für Zukäufe stehen rund drei Milliarden Euro zur Verfügung.

Geld für Mobis

Die TA-Führung weiß auch schon, wie sie diese ausgeben will: Für Mobis, die Mobilfunktochter der Telecom Srpska, die im zweiten Quartal 2005 vollprivatisiert werden soll, und für die serbische Mobtel, die - ebenfalls im zweiten Quartal und ebenfalls über ein Tenderverfahren - verkauft werden soll. Letztere stellt freilich kein sicheres Ticket (mehr) dar, denn Investor Martin Schlaff besitzt an der neuen Mobtel nur mehr 30 Prozent, die Mehrheit hält der serbische Staat, auf dessen Anteil es die TA immer schon abgesehen hatte. Mit starker internationaler Konkurrenz ist bei dieser Privatisierung zu rechnen.

Nicht um jeden Preis

Jeden Preis wollen Sundt und sein Nachfolger Boris Nemsic für die beiden Mobilfunker am Balkan denn auch nicht bezahlen: "Um jeden Preis, das gibt es nirgendwo", stellte Sundt am Dienstag klar. Als "native speaker" sollte Nemsic aber zumindest einen kleinen Vorteil haben, zumal er den Markt bereits gut kennt. Finanzvorstand Stefano Colombo präzisierte das finanzielle Limit dahingehend, dass man nur so viel ausgeben wolle, als ohne Kapitalerhöhung aus Cashflow und Reserven finanzierbar sei, also nicht mehr als die eingangs genannten drei Milliarden Euro.

"Sehr komfortable Startlöcher"

Sichtlich stolz ist Sundt, dass Nemsic am 24. Mai in "sehr komfortablen Startlöchern" stehen wird: Die Mobilfunksparte Mobilkom hat in allen Märkten zugelegt und dank des Erwerbs der bulgarischen Mobiltel das operative Ergebnis (Ebitda) um 26,6 Prozent auf 969 Mio. Euro und den Umsatz um 17,1 Prozent auf 2,49 Mrd. Euro gesteigert.

Das Festnetz schrumpfte zwar bei den Umsätzen aus Sprachminuten (minus 1,3 Prozent) und Grundentgelten (minus 3,7 Prozent), erhöhte aufgrund rückläufiger Abschreibungen aber das Betriebsergebnis um 18,1 Prozent auf 65,9 Mio. Euro. Entwarnung kann Wireline-Vorstand Rudolf Fischer nicht geben: Die Abwanderung zum Handy hält unvermindert an (die Festnetzumsätze gingen um 2,3 Prozent auf 2,135 Mrd. Euro zurück), was durch das wachsende Breitbandgeschäft (noch) nicht kompensiert werden kann.

Umbau der Holding

Wertvolle Zeit verlor die TA-Gruppe wegen der anhaltenden Vorstandsdiskussion im Herbst beim Umbau in eine Holding: Die Verselbstständigung des Festnetzes in einer Aktiengesellschaft nach dem Vorbild der Mobilkom-Gruppe wird sich für die Hauptversammlung am 23. Mai doch nicht mehr ausgehen. Zu aufwändig seien die dafür erforderlichen Spaltungs- und Gründungsverträge, wie es in der TA heißt. Bis September soll aber alles auf Schiene sein. Sundt, der diesen Umbau nie forciert hatte, warnte "vor negativen Einflüssen" des Umbaus auf das laufende Geschäft und versicherte, es werde die "alte" Organisation bis Jahresende geben.(ung/DER STANDARD, Printausgabe vom 15.3.2006)

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