Ein Mozart-Denkmal für Kim Il Sung

15. März 2006, 17:38
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Der Tiroler Metallbildhauer Alois Schild arbeitet erstmals in Nordkorea

Kramsach – „38.000 plus 1“ ist der Titel eines temporären Mozart-Denkmals, das der Kramsacher Metallbildhauer Alois Schild im April in der nordkoreanischen Stadt Kaesong errichten wird. Als Material dazu will Schild Holz, Zweige, Flechtwerk und „was sich sonst noch findet“ verwenden und die Skulptur einem der rund 38.000 Denkmäler aus Bronze oder Marmor für Staatsgründer Kim Il Sung gegenüberstellen.

"Nine-Dragon-Heads"

Schild wurde gemeinsam mit 21 Kollegen aus 14 Ländern zum Symposium „Nine- Dragon-Heads“ eingeladen, das zum elften Mal in Seoul/ Südkorea organisiert wird und erstmals im abgeschotteten Nordteil der koreanischen Halbinsel abgehalten wird. Der Bruno-Gironcoli-Schüler hat in den vergangenen Jahren wiederholt an Kunstaktionen in Südkorea mitgewirkt. Hierzulande ist Schild mit seinem Skulpturenpark und mit gesellschaftskritischen Arbeiten bekannt, die sich etwa mit der NS-Euthanasie oder dem Transitverkehr beschäftigen.

Gefiederte Schlange

Im vergangenen Oktober war Schild im mexikanischen Comitán (Provinz Chiapas) an einem Symposium für monumentale Stahlskulpturen beteiligt. Die von zehn Teilnehmern am Hauptplatz von Comitán errichteten Skulpturen sollen das Herzstück eines unter Unesco-Patronanz stehenden „Museum für zeitgenössische Kunst“ bilden. In zwölf Tagen eine Skulptur mit einem Richtwert von vier Metern Höhe zu gestalten, sei auch eine physische Herausforderung, betont Schild.

In zehn Jahren soll das von Luis Aguilar Castaneda initiierte Museum eröffnet werden, als zentraler Teil eines multifunktionalen Konzepts zu dem auch Wohnhäuser und Sportanlagen zählen. Die Veranstalter überraschte er damit, dass er nicht das eingereichte Projekt realisierte. „Mir ging es um eine Kontaktaufnahme zum Umfeld, mich interessiert der Ort, die Landschaft in der ich eine Skulptur realisiere“, erzählt Schild. Herausgekommen ist eine Skulptur mit dem Namen „Snake Mountain“, die am Mythos der gefiederten Schlange anknüpft.

Fabelwesen

Wenn die Skulptur bei der Eröffnung des Museums ihren endgültigen Platz erhält, wird der vier Meter hohe geschwungene Schwanz der Federschlange unmittelbar aus dem Boden herausragen und damit zur Vorstellung anregen, der größere Teil des sagenumwobenen mexikanischen Tiers lebt unter der Erde. (hs, DER STANDARD Printausgabe, 15.03.2006)

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