Botschafter haben gratis zu werben

14. März 2006, 18:32
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Städtisches Kotrllamt soll Radmann-Bestellung auf Rechtmäßigkeit prüfen

Salzburg - Franz Klammer, Michaela Dorfmeister, Felix Gottwald, Niki Lauda oder der bayrische Rodler Georg Hackl - große Namen der Sportwelt will der neue Geschäftsführer der Salzburger Olympiagesellschaft, Fedor Radmann, als Sportbotschafter für das Rennen um die im Juli 2007 vom IOC zu vergebenden Winterspiele 2014 gewinnen.

Im Gegensatz zur gescheiterten Kandidatur für 2010, als zehn Sportler, unter ihnen Hermann Maier, Annemarie Moser-Pröll und Toni Sailer, jeweils unterschiedlich und bis zu 163.000 Euro hohe Gagen (insgesamt 415.000 Euro) kassiert hatten, soll diesmal die Prominenz ohne Honorar für Spiele an der Salzach eintreten. Einen Werbeträger hat der Berchtesgadener Sportlobbyist Radmann, der bis zum Sommer auch noch für die deutsche Fußball-WM arbeitet, den Salzburgern quasi als Einstandsgeschenk mitgebracht: Sein Freund Franz Beckenbauer wird ebenfalls Olympia-Botschafter.

Kritik übte Radmann anlässlich seiner offiziellen Präsentation am Dienstag nicht nur ob Gagen für frühere Sportbotschafter, sondern am gesamten Konzept der Kandidatur für 2010. Die Kultur wäre zu stark im Vordergrund gestanden, "wir machen keine Kulturolympiade." Der Skepsis in der Stadtbevölkerung gegenüber den olympischen Ambitionen der Politik will Radmann mit einer Bündelung "aller gesellschaftlichen Kräfte" begegnen. Ziel: "Man muss in der Welt spüren, dass wir die Spiele wollen."

Die Antwort der Kritiker kam prompt: Die Bürgerliste schaltete unmittelbar nach der offiziellen Vorstellung Radmanns das städtische Kontrollamt ein. Sie will überprüfen lassen, ob die Bestellung des 61-Jährigen zum Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft nach dem Rücktritt Anton Schuttis überhaupt rechtens ist. Laut Gesetz hätte der Job, den Bürgermeister Heinz Schaden (SP) im Alleingang vergab, ausgeschrieben werden müssen. (neu, DER STANDARD Printausgabe 15.03.2006)

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