New York: Polizisten mordeten im Auftrag der Mafia

16. März 2006, 19:16
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Prozess wie ein Hollywood-Drama: Sie konnten ihre Morde unentdeckt begehen, weil sie Polizisten waren

New York – In New York stehen seit Montag zwei hochdekorierte frühere Polizeikommissare vor Gericht. Sie sollen bis zu ihrem selbst gewählten Ausscheiden aus dem Polizeidienst Anfang der 90er-Jahre im Auftrag der Mafia zahlreiche Morde begangenen haben.

Unentdeckt

In ihrem Eröffnungsplädoyer erklärte Staatsanwältin Mitra Hormozi, die beiden Angeklagten seien auf dem Gehaltszettel von Mafiaboss Anthony „Gas Pipe“ Casso gestanden. „Die beiden waren keine traditionellen Gangster. Sie konnten ihre Morde unentdeckt begehen, weil sie Polizisten waren“, erklärte Hormozi. Der 57-jährige Louis Eppolito und der 64-jährige Stephen Garacappa sollen insgesamt acht Menschen umgebracht haben.

Staatsanwältin Hormozi zeigte den Geschworenen am Montag die Aufnahmen der Opfer und nannte Details zu jedem einzelnen Verbrechen. Darüber hinaus sollen die beiden Polizisten die Mafia für 4000 Dollar (rund 3350 Euro) im Monat genauestens über die Ermittlungen informiert haben, sodass Casso und seine Organisation den Verhaftungen entgingen.

„Eppolito und Garacappa waren ein perfektes Team, um an Informationen über die Mafia zu kommen“, resümierte Hormozi. „Und sie waren erfolgreich. Aber sie verkauften ihre Informationen zugleich an die Mafia.“

Unschuldige Opfer

Die Zusammenarbeit der Polizisten mit dem organisierten Verbrechen führte auch zum Tod völlig unbescholtener Menschen. In einem Fall sollen sie Casso über den Aufenthaltsort eines Mannes namens Nicholas Guido informiert haben; er war angeblich in ein Mordkomplott gegen den Paten verwickelt. Die Informationen waren aber ungenau, und so wurde am Weihnachtsabend 1986 ein unbeteiligter Mann mit dem selben Namen erschossen.

Laut Staatsanwaltschaft nannte Casso seine Verbündeten mit Polizeimarke „Kristallkugeln“ und zahlte ihnen pro Auftrag 75.000 Dollar (knapp 63.000 Euro). Die Angeklagten beteuern ihre Unschuld. Dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft lauschten sie aufmerksam, aber regungslos. (AP, DER STANDARD Printausgabe, 15.03.2006)

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