9/11-Prozess: Ankläger könnten von Todestrafe abrücken

21. März 2006, 16:06
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Staatsanwaltschaft beantragte Terminverschiebung - Richterin setzt Verfahren nach Skandal aus: Staatsanwältin beurlaubt

Washington - Im Prozess gegen den wegen der Anschläge vom 11. September angeklagten Zacarias Moussaoui erwägen die Ankläger, von ihrer Forderung der Todesstrafe abzurücken. Am Dienstag hatte Richterin Leonie Brinkema wichtige Zeugen vom Verfahren ausgeschlossen. Kurz darauf beantragte die Staatsanwaltschaft, den nächsten Gerichtstermin zu verschieben.

"Wir wissen nicht, ob es sich für uns überhaupt noch lohnt weiterzumachen", sagte Staatsanwalt Robert Spencer bei einer Telefonkonferenz am Dienstagabend mit Brinkema und einem Anwalt der Verteidigung, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Transkription des Gesprächs hervorging. Brinkema vertagte den Prozess auf kommenden Monat. Auch am Mittwoch berieten die Ankläger noch über ihre Möglichkeiten, wie Vertreter des Justizministeriums mitteilten.

Spencer zufolge wird abgewogen, ob ein höheres Gericht angerufen oder Brinkema zu einer Überarbeitung ihrer Entscheidung aufgefordert werden soll. Unklar war, ob die Regierung sich überhaupt an ein anderes Gericht wenden kann, wenn das Verfahren schon begonnen hat.

Anwältin beurlaubt

Die US-Regierungsanwältin Carla Martin, die mit ihren Regelverstößen im Terrorismusprozess gegen den Franzosen Zacarias Moussaoui für einen Eklat gesorgt hatte, ist vom Dienst beurlaubt worden. Dies teilte am Donnerstag in Washington ein Sprecher der Verkehrssicherheitsbehörde TSA mit, bei der die Juristin beschäftigt ist. Nähere Angaben machte der Sprecher nicht.

Martin hatte in der vergangenen Woche an insgesamt sieben für das Verfahren ursprünglich vorgesehene Zeugen Emails geschickt, in denen sie Protokolle des bisherigen Prozessverlaufs übermittelte und diese auf möglicherweise schwierige Fragen der Verteidigung hinwies. Damit verstieß Martin, die zwar nicht dem Prozessteam der Anklage direkt angehörte, aber für dieses arbeitete, gegen US-Recht, wonach Zeugen nicht von den Prozessparteien geschult werden dürfen.

Die Regierung bemüht sich seit Jahren um die Todesstrafe für Moussaoui. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, man hätte 9/11 verhindern können, wenn der Angeklagte, der damals schon in Haft war, die Wahrheit gesagt hätte. Nun droht der Administration eine Niederlage. Eine vorzeitige Einstellung des Verfahrens hieße lebenslange Haft.

Moussaoui hat sich schuldig bekannt, an einer Verschwörung im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington beteiligt gewesen zu sein. Bei den Angriffen waren etwa 3000 Menschen ums Leben gekommen. Der aus Marokko stammende Franzose ist der einzige Angeklagte, der in den USA wegen der Anschläge vor Gericht steht.(Reuters/APA/dpa)

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    Angeklagter Zacharias Moussaoui.

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