Moz hat an den Pischti übergeben

14. März 2006, 18:36
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Fast wie eine Geschäftsübergabe: Die alten Pfuscherpartien "schalten zurück", ungarische stoßen mithilfe von Mundpropaganda in die so entstandene Marktlücke

Der Moz – der natürlich nicht Moz heißt in Wahrheit – hat die Sache längst schon aufgegeben, "zurückgeschaltet", wie er selber es nennt. Und deshalb kann er dem älteren Herrn mit den zwei linken Händen nicht mehr mit Tat, wohl aber mit Rat zur Seite stehen. Wenn's ums Verputzen geht, wisse er einen: "Pischti heißt der." Das stimmt zwar nicht – so heißt er auf verständlichen eigenen Wunsch nur hier, im STANDARD –, aber der Rest trifft zu.

Die Geschichte mit Moz und Pischti, das hat der ältere Herr mit den zwei Linken in den vergangenen Jahren begriffen, ist typisch für die Änderung des Arbeitslebens an der offenen Grenze. Im Burgenland spürt man das wohl am meisten, immerhin ist der Wohlstand und die Lebensqualität des Landes zu einem wirklich guten Teil dem Wochenendfleiß seiner Bewohner zu verdanken. Handwerker haben sich jahrzehntelang dorfweise zu Partien zusammengetan, die – um es jetzt so zu sagen – von Nachbar zu Nachbar gezogen sind, um dort unter großem Wehklagen von Bau- und Baunebengewerbe Nachbarschaftshilfe zu leisten, ohne die kein burgenländisches Haus zumindest so stünde, wie es eben steht – stets ein wenig, naja: oversized.

Die Jungen rücken nach

Aber diese dörflichen Partien sind, wie der Moz eben, allmählich ins Alter gekommen. Die Jungen, die ganz andere Berufe gelernt haben oder das Wochenende anders verbringen möchten, rücken nicht nach, und weil die Nachfrage dennoch da ist, stoßen ungarische Partien in die burgenländische Marktlücke.

Pischti zum Beispiel. Viele von ihnen, sagt er, hätten richtig gehend "übernommen". Ganz offiziell am Bau oder seinen Zulieferbetrieben beschäftigt, "haben Arbeitskollegen, die nicht mehr wollten, gefragt: Magst du das nicht machen?" Pischti – und viele seiner Landsleute – wollten.

Dass die Ungarn billiger seien als burgenländische Pfuscher, spiele dabei die geringste Rolle, sagt Moz. "Pfuschen läuft nur über Mundpropaganda. Da darfst du dir keinen Fehler leisten, musst nicht nur gut, sondern auch schnell arbeiten, der Chef steht ja immer daneben und erzählt dann im Wirtshaus drüber."

"Heute will keiner mehr ruacheln"

Und so, durch Mundpropaganda, ist auch Pischti ins Wochenendgeschäft gekommen. Nicht nur jenseits der Grenze. "Rund um Sopron wird ja wie wahnsinnig gebaut, was glaubst du, wie viele Partien dort unterwegs sind." Moz ergänzt: "Das ist wie bei uns vor zwanzig, dreißig Jahren. Aber heute will keiner mehr ruacheln. Die Ungarn schon."

Pischti kann das durchaus verstehen, ihm verhilft ja nicht nur der Fleiß, sondern auch das Währungsgefälle zum Forint zu einem schönen Zubrot. "Aber wirklich billiger", sagt der ältere Herr mit den zwei Linken, "sind die Ungarn nicht." Der Stundenlohn sei zwar schon um einiges geringer, dafür müsse der Bauherr den Einkauf und vieles andere mehr selbst besorgen. "Der Moz ist mit seinem Traktor gekommen und hat immer alles mitgehabt auf seinem Hänger, einmal sogar ein selber zusammengenageltes Baugerüst." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.3.2006)

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