Thunfisch in Tropenholz

15. Juni 2007, 18:11
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Bislang war die Hochhauswelt der Donau-City gastronomische Wüstenei. Nun gibt es ein Designer-Restaurant mit ambitionierter Fusionsküche

Wenn anderswo ein mildes Frühlingslüfterl weht, dann sollte auf der Donauplatte Sturmwarnung gegeben werden. Durch die gläsernen Hochhaus-Schluchten Transdanubiens kann der Wind pfeifen, dass es auch gewichtige Zeitgenossen flugs aus den Schuhen hebt. Doch wer da zu Fuß unterwegs ist, ist ohnedies bloß flüchtiger Gast: Hier werken moderne Menschen, die fahren mit dem Auto in die unterirdischen Garagen und wählen den richtigen unter vielen Liften, sodass sie samt makelloser Frisur nicht bloß im gewünschten Stockwerk, sondern auch im richtigen Gebäude landen. Insofern ist nicht weiter erstaunlich, dass sich der reguläre Eingang zum Restaurant "Sa Vánh" im Strabag-Hochhaus so effektiv in einer Gebäudefalte an der Kehrseite des Hauses versteckt, dass man bis zuletzt glaubt, jetzt sicher gleich im Kühlhaus, bei den Personalduschen oder sonst wo in den Eingeweiden des stählernen Baus zu landen.

Buddhistische Tempel-Atmosphäre

Dabei ist man eh richtig: Nach einer kleinen Stiege wartet eine Garderobendame, und auch sonst geht es plötzlich ziemlich stylish zur Sache: An der Wand wurde reichlich böses Tropenholz verlegt, in den halbrunden Alkoven nimmt man auf cremeweißem Alcantara Platz, allerorten schauen einem Buddhastatuen und Tempeltänzerinnen auf die Teller - manchmal riskieren auch die Köche aus der tischnah platzierten Showküche einen Blick.

Dazu gibt es eine mächtige Bar, ein DJ-Pult und die unvermeidliche "Lounge" mit Lederfauteuils. Ob deshalb abends wirklich Partylaune aufkommen wird, bleibt abzuwarten: Bislang wollen die rund 8000 hier arbeitenden Menschen nach Büroschluss möglichst schnell weg, weshalb die (ohnehin sparsam gesäten) Restaurants in Wiens Hochhaus-Viertel mit Einbruch der Dunkelheit allesamt dicht machen. Anderseits mag man kaum glauben, dass die Donaustädter mit der Pseudo-Diversität des gastronomischen Angebots in den Shopping- und Kino-Malls der Umgebung tatsächlich das Auslangen finden wollen. Betreiber Andy Taing, aus Kambodscha gebürtig, hat jedenfalls Erfahrung mit den speziellen Bedürfnissen der Gegend: Seine Familie betreibt seit Jahren eine Sushi-Bar auf der Wagramer Straße.

Fusion französischer und asiatischer Küchentraditionen

Im "Sa Vánh" hat er sich diesbezüglich ziemlich viel vorgenommen: Mit Sato Shigemi wurde ein Koch verpflichtet, der lange Jahre als Souschef im Unkai, dem wohl feinsten japanischen Restaurant des Landes, gearbeitet hat. Im "Sa Vánh" freilich spielt die japanische Küche eine untergeordnete Rolle. Die klein gehaltene Karte liest sich vielmehr als durchaus spannende Fusion französischer und asiatischer Küchentraditionen. Wenn Sushi und Sashimi auf der Karte stehen, sollte man freilich zugreifen: Statt der üblichen Butterfisch- und Zuchtlachs-Langweiler filetiert Meister Shigemi Goldbrassen, verwendet japanische Hoki-Muscheln und besten Yellowfin-Tuna.

Der rote Thai-Curry vom Huhn erfreut durch reichlich knackiges Gemüse und saftige Hendl-Stücke, der Curry selbst ist fein, aber doch sehr zurückhaltend gewürzt. Das Thunfischfilet mit Ratatouille und Ingwer-Lauch-Sauté ist schön gebraten, die Ratatouille schmeckt durchaus provenzalisch und harmoniert bemerkenswert mit dem scharfen Ingwer. Mittags gibt es zu jeder Hauptspeise eine Vor-und Nachspeise. Damit sollten sich die weltläufigen Herrschaften der umliegenden Büros doch aus ihren Kantinen locken lassen.
(Severin Corti/Der Standard/rondo/10/03/2006)

Fotos:
Gerhard Wasserbauer

Sa Vánh
Donau-City-Str.9
1220 Wien
Tel.: 0664/492 79 63
VS € 7,80-14,80
HS € 9,80-20,80
  • Restaurant "Sa Vánh" im Strabag-Tower in der donau-City: Das Holz ist Palisander ...
    foto: gerhard wasserbauer

    Restaurant "Sa Vánh" im Strabag-Tower in der donau-City: Das Holz ist Palisander ...

  • ... der Thunfisch gut, das Jelly zur Crème brulée schmeckt hauptsächlich rot.
    foto: gerhard wasserbauer

    ... der Thunfisch gut, das Jelly zur Crème brulée schmeckt hauptsächlich rot.

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