Prodi in Umfragen weiter vor Berlusconi

21. März 2006, 16:22
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TV-Duell zielt auf 24 Prozent Unentschlossene

Nach dem Eklat um den Abbruch einer Fernsehdiskussion durch den italienischen Premier Silvio Berlusconi stand am Dienstag das TV-Duell zwischen dem Regierungschef und seinem Rivalen Romano Prodi im Mittelpunkt des Interesses. Beide Kandidaten bereiteten sich mit ihren engsten Beratern auf die eineinhalbstündige Sendung vor, deren strenge Spielregeln einen direkten Schlagabtausch zwischen beiden ausschließen. Die auf Rai 1 ausgestrahlte Diskussion wurde von mehreren Privatsendern übernommen. Auch einige ausländische Sender wie CNN und das spanische Fernsehen übernahmen das Duell.

Nach Überzeugung des bekanntesten italienischen Meinungsforschers Renato Mannheimer kann die Sendung vor allem jene 24 Prozent der italienischen Wähler beeinflussen, die noch unentschieden sind. 64 Prozent haben ihre Entscheidung bereits getroffen, 12 Prozent wollen sich nicht an der Wahl am 9. und 10. April beteiligen. Nach der neuesten Umfrage führt das Mitte-Links-Bündnis mit 4,3 Prozent Vorsprung.

Indes sorgt der TV-Eklat durch Berlusconi weiterhin für Diskussionen. Der Verwaltungsrat der Rai soll nun über einen Verweis für die Journalistin Lucia Annunziata befinden. Deren Hartnäckigkeit stieß auch im Linksbündnis auf Kritik. Sie sei in eine Falle Berlusconis getappt und habe ihm die willkommene Gelegenheit geboten, sich als Opfer linker Journalisten darzustellen, kritisierte der ehemalige Rai 3-Chef Sandro Curzi. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.3.2006)

Gerhard Mumelter aus Rom
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