Antibiotika in früher Kindheit erhöhen Asthmarisiko

von Redaktion  |  22. März 2006, 14:12
  • Artikelbild: Oft werden bei Kindern Antibiotika gegen virale Infektionen der Atemwege eingesetzt, was wirkungslos ist und das spätere Asthmarisiko steigern kann. - Foto: APA/EPA/Barbara Walton

    Oft werden bei Kindern Antibiotika gegen virale Infektionen der Atemwege eingesetzt, was wirkungslos ist und das spätere Asthmarisiko steigern kann.

Verabreichung unter einem Jahr verdoppelt Risiko - Wissenschafter vermuten auch negativen Einfluss auf Darmbakterien

Vancouver - Es gibt immer mehr Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Antibiotika in der frühen Kindheit und einer späteren Asthmaerkrankung. Eine Studie der University of British Columbia mit 12.082 Teilnehmern ist zu dem Ergebnis gekommen, dass jene Kinder, die unter einem Jahr mit Antibiotika behandelt wurden, über ein doppelt so hohes Asthmarisiko verfügen. Die Wissenschafter schreiben in dem Fachmagazin Chest, dass weitere Antibiotikagaben innerhalb des ersten Lebensjahres das Asthmarisiko noch weiter steigerten.

Negativer Einfluss auf Darmbakterien vermutet

Frühere Studien gingen davon aus, dass diese Medikamente die Arbeit des Immunsystems beeinflussen. Experten nehmen an, dass sie im Darm auch nutzbringende Bakterien abtöten. Die Folge könnten Veränderungen in der Art und Weise sein, wie der Körper auf eine Erkrankung reagiert. Der leitende Wissenschafter Carlo Marra erklärte, dass man nachgewiesen habe, dass der Einsatz von Antibiotika mit dem Entstehen von Asthma bei Kindern in Zusammenhang stehe.

Das Team überprüfte sieben Studien, die die Verabreichung von mindestens einem Antibiotikum mit keiner Verabreichung innerhalb des ersten Lebensjahres verglichen. Von den teilnehmenden 12.082 Kinder erkrankten 1.817 an Asthma. Allgemein verfügten Kleinkinder, die zumindest ein Antibiotikum erhalten hatten, über ein doppelt so hohes Asthmarisiko.

1,16-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit

Zusätzlich wurden die Daten von fünf Studien mit insgesamt 27.167 Kindern hinsichtlich der Dosierung der Medikamente ausgewertet. Es zeigte sich, dass jede zusätzliche Verabreichung von Antibiotika während des ersten Lebensjahres zu einer um das 1,16-fache erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung führte.

Fawziah Marra, Mitautorin der aktuellen Studie, betonte, dass nicht jede Infektion im Kindesalter mit einem Antibiotikum behandelt werden müsse. Die derzeitigen Richtlinien gehen laut BBC davon aus, dass Kinder unter zwei Jahren bei einer Ohreninfektion ein Antibiotikum erhalten sollen. Der Großteil der Infektionen der oberen Atemwege und Bronchitiserkrankungen würden jedoch durch Viren ausgelöst. Antibiotika seien in diesen Fällen wirkungslos. (pte)

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Schlupp
14.03.2006 18:44
Koennte das nicht umgekehrt sein?

Ich naive Nichtmedizinerin wuerde ja annehmen, dass man bei Kindern, die Asthma haben, bei denen es aber im ersten Jahr vielleicht noch nicht bekannt ist, glaubt, sie koennten an einer Infektion leiden und ihnen (ungerechtfertigterweise) Antibiotika gibt. Dazu passt auf die besonders hohe Korrelation mit wiederholter Gabe: Weil das Asthma ja nicht weggeht, kriegen sie's oefter. Ursache und Wirkung waeren dann vertauscht.
Aber ich sehe schon ein, dass es lustiger ist, vor Antibiotika zu warnen, als darauf hinzuweisen, dass sie bei Asthma nicht helfen. Letzteres ist schon bekannt, waehrend man mit ersterem in die Zeitung kommt.

Zyniker
15.03.2006 13:05
Aehnliches hab ich mir auch gedacht,

koennte ja auch sein, dass Kinder, die in ihren ersten Lebensjahren oft an Atemwegserkrankungen leiden, als Erwachsene dann Asthma bekommen, unabhaengig davon ob sie Antibiotika bekommen und ob diese gegen die jeweiligen Infektionen helfen.

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