Osteoporose: Neues Parathormon-Medikament senkt Frakturrate drastisch

22. März 2006, 14:12
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Stärkung der Knochen­dichte - Gentechnisch hergestellte Substanz muss nicht gekühlt werden - In Zukunft zweistufige Therapie

Wien - Menschen mit mittelschwerer bis sehr schwerer Osteoporose könnten bald wesentlich bessere und einfachere Möglichkeiten zur Behandlung haben: Noch in diesem Sommer soll mit "Preotact" ein gentechnisch hergestelltes und täglich unter die Haut zu injizierendes Parathormon-Medikament auf den Markt kommen, das die Gefährdung der Betroffenen durch Knochenfrakturen um mehr als 60 Prozent - und damit dramatisch - reduziert. Dies erklärte Nycomed-Vorstandsvorsitzender Hakan Björklund am Dienstag in einem Gespräch mit der APA.

"Wir haben bereis ein positives Urteil des EU-Komitees für Medizinprodukte (CHMP) und erwarten bald die endgültige Genehmigung. Das Medikament ist für Patienten mit moderater bis schwerer und sehr schwerer Osteoporose gedacht. Es handelt sich um die erste Osteoporose-Therapie, die nicht nur den Abbau von Knochenmaterial hemmt, sondern zu einer Vergrößerung der Knochendichte führt", sagte Björklund.

Für zwei bis fünf Prozent der Osteoporose-Patienten

Bei Nycomed, der Pharmakonzern hat seinen Hauptsitz in Dänemark, ist aber mit Nycomed Austria das drittgrößte Pharmaunternehmen in Österreich, erwartet man, dass Parathormon-Produkte für zwei bis fünf Prozent der Osteoporose-Patienten in Frage kommen. Derzeit stehen für die moderne Behandlung des krankhaften Knochenabbaus vor allem die so genannten Bisphosphonate - sie hemmen die Knochenfresser-Zellen (Osteoklasten) -, Parathormon und Strontium-Ranelat zur Verfügung. Beim Parathormon gibt es bisher ein gentechnisch erzeugtes Fragment des körpereigenen Hormons.

Der Nycomed-Vorstandsvorsitzende: "Unser Medikament besteht aus dem gesamten (nachgebauten, Anm.) Parathormon. Das hat einige Vorteile, die für die Patienten wichtig sind. So muss das Arzneimittel nicht ständig gekühlt aufbewahrt werden, sondern kann auch sieben Tage außerhalb des Kühlschranks bleiben. Darüber hinaus haben wir einen Injektions-Pen entwickelt, der eine besonders einfache Applikation erlaubt." Im Rahmen der zumeist 18 Monate dauernden Therapie müssen sich die Patienten das Parathormon einer Dosis von 100 Mikrogramm jeden Tag injizieren.

Studien zeigen Erfolg des Präparats

Klinische Studien mit rund 2.500 Teilnehmern zeigten sehr gute Erfolge: So sank das Risiko, einen Wirbelkörpereinbruch zu erleiden, im Vergleich zu einer Verabreichung von Placebo um etwa 61 Prozent (statistisch signifikant). Bei den Hüftfrakturen reduzierte sich diese Gefährdung um rund 50 Prozent, war aber wegen einer zu geringen Zahl der Betroffenen statistisch nicht signifikant. Das Medikament ist insgesamt gut verträglich, betont man bei Nycomed.

Die Zukunft dürfte aber in einer hoch wirksamen Zwei-Phasen-Therapie liegen. Björklund: "Die Patienten werden dabei zunächst zwölf Monate das Parathormon erhalten und danach das Bisphosphonat Alendronat. Es hat sich gezeigt, dass bei dieser Behandlung die Knochendichte auch nach Ende der Parathormon-Therapie weiter steigt."

Im Rahmen der klinischen Studien wurde bisher eine Erhöhung der Knochendichte durch die Parathormon-Behandlung allein um rund 6,5 Prozent innerhalb von 18 Monaten registriert. Nycomed wird für die Zwei-Phasen-Therapie ein Alendronat-Generikum (Nachahmepräparat, Anm.) auf den Markt bringen. (APA)

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    Das neue Medikament soll Osteoporose-Patienten vor Knochenbrüchen schützen.

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