GPA und Drucker-Gewerkschaft schließen sich zusammen

16. Oktober 2006, 17:39
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Im ÖGB steht die nächste Fusion ins Haus - Der Name des neuen Gewerkschaftsriesen soll GPA-DJP lauten

Wien - Die Gewerkschaft Druck-Journalismus-Papier hat sich entschlossen, mit der Privatangestellten-Gewerkschaft GPA zusammenzugehen. Der Name des neuen Gewerkschaftsriesen soll GPA-DJP lauten. Die Drucker bringen rund 17.000 Mitglieder in die Gemeinschaft. Gesamt hat der Block damit etwa 293.000 Arbeitnehmer zu vertreten, womit die GPA ihre Position als größte Einzelgewerkschaft weiter ausbaut.

In einer gemeinsamen Aussendung der beiden Gewerkschaften heißt es, die DJP wolle ab sofort die Organisations- und Mitgliederbetreuungsstrukturen offensiv mit jenen der Gewerkschaft der Privatangestellten zusammenzuführen. Dazu gehört auch die Planung der Übersiedlung der DJP-Zentrale in das Haus der GPA am Alfred-Dallinger-Platz in Wien-Erdberg. Der entsprechende Beschluss fiel Montag Abend.

Die endgültigen Beschlüsse für die Zusammenführung sind am GPA-Bundesforum bzw. einem DJP-Gewerkschaftstag im heurigen Herbst geplant. Begründet wird die Fusion damit, dass man auf diesem Weg "auf rasante wirtschaftliche Entwicklungen in wichtigen von beiden Gewerkschaften betreuten Branchen rasch und schlagkräftig" reagieren könne.

Fusionitis

Nur noch maximal neun Gewerkschaften bleiben nach den jüngsten internen Manövern der ÖGB-Töchter über. Denn ihren Zusammenschluss vollziehen derzeit auch Metaller und Agrar-Nahrung-Genuss (2006) sowie Eisenbahner, Transport und Tourismus-Gewerkschaft (2007).

Nach dem Platzen der angedachten Großfusion um Metaller und GPA (G 5) wird jetzt quasi die Beute der drei Kleinen untereinander aufgeteilt. Die Drucker kommen zur GPA, die ANG schon in den nächsten Wochen zu den Metallern. Bleiben aus diesem Projekt noch die Chemiearbeiter - sie dürften sich auf Perspektive den Metallern anschließen, auch wenn manche in der Organisation noch auf Eigenständigkeit pochen. Der GPA-Block verfügt über rund gut 290.000 Mitglieder, jener der Metaller über knapp 240.000 - käme die Chemie dazu, wären es etwa 270.000. Ebenfalls zu den Metallern tendieren die Bauarbeiter, die zwar als chronisch finanzschwach gelten, mit 146.000 Mitgliedern aber die Metaller zur größten Gewerkschaft machen würden.

Farben-Lehre

Der dritte große Block in der Gewerkschaft ist der Öffentliche Dienst mit knapp 230.000 Mitgliedern. Hier wird es wohl nicht zur an sich logischen Fusion mit den Gemeindebediensteten kommen - aus Gründen der Farben-Lehre. Die GÖD ist die einzige VP-geführte Gewerkschaft, die Gemeindebediensteten sind SP-dominiert, ein Zusammenschluss daher aus machtpolitischen Gründen so gut wie auszuschließen. Ebenfalls derzeit eigenständig unterwegs ist die Post-Gewerkschaft, nichts hört man auch von der kleinen Gewerkschaft Kunst/Medien/Sport/Freie Berufe, die allerdings von den Großen auch nicht unbedingt umworben wird. Thematisch würden die beiden wohl am ehesten zur GPA passen, Gespräche gibt es derzeit aber nicht.

Sinkende Mitgliederzahlen

Grund für die ganzen Zusammenschlüsse sind in erster Linie die sinkenden Mitgliederzahlen, die vor allem den kleineren Teilorganisationen finanzielle Probleme schaffen. Durch die Zusammenlegungen können Doppelgleisigkeiten vermieden und damit Geld gespart werden. Von den Gewerkschaften argumentiert wird stets, dass durch die Fusionen die Schlagkraft der Organisation erhöht werde.

Eine offizielle Bestätigung der Zusammenschlusses gibt es allerdings noch nicht. Der Zentralsekretär der DJP, Gerhard Hennerbichler, meinte Dienstag Nachmittag, dass man sich zunächst einmal mit der Zusammenführung auf struktureller Ebene und mit der Übersiedlung ins GPA-Haus beschäftige. Dann würden erst die Personalia angegangen. Auch den Namen GPA-DJP sieht Hennerbichler noch nicht als gegeben an, das sei ein Arbeitstitel.

Katzian bleibt wohl Vorsitzender

Dem Vernehmen nach wird sich personell aber für die GPA nicht viel ändern. Wolfgang Katzian dürfte - angesichts der Größe der GPA wenig verwunderlich - auch die fusionierte Gewerkschaft anführen. Als sein Stellvertreter ist Drucker-Chef Franz Bittner vorgesehen, der ja nebenbei noch als Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse sowie als Chef der Trägerkonferenz im Hauptverband der Sozialversicherungsträger fungiert und im Falle einer SP-Regierungsbeteiligung Chancen auf einen Ministerposten im Sozial- oder Gesundheitsressort haben dürfte.


Chronologie der erfolgreichen und gescheiterten Fusionen

  • Herbst 1990 Fusion der Gewerkschaft der Lebens- und Genussmittelarbeiter und der Gewerkschaft Land-Forst-Garten zur Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss (ANG)

  • Jänner 2001 Fusion der Gewerkschaften Metall-Bergbau-Energie und Textil/Bekleidung zur Gewerkschaft Metall-Textil (GMT)

  • Februar 2001 ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch will acht Branchengewerkschaften statt der bisher 13 Teilgewerkschaften

  • Juni 2001 Die "Sektion Journalisten" wechselt nach heftigem Streit von der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) zur Gewerkschaft Druck und Papier. Diese wird in Druck, Journalismus, Papier (DJP) umbenannt.

  • Oktober 2001 Metaller und die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) wollen fusionieren. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch erfährt erst im letzten Moment von den Plänen.

  • November 2001 Beschluss des ÖGB-Bundesvorstandes für eine neue Organisationsstruktur. Es zeichnen sich drei Blöcke ab: erstens GMT und GPA, ergänzt um die Gewerkschaften DJP und ANG sowie die Chemiearbeiter. Zweitens die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD). Drittens die Allianz "infra" mit den weiteren Teilgewerkschaften. Ziel ist die Umsetzung des Prinzips eine Gewerkschaft pro Betrieb.

  • Mai 2004 Die Chemiearbeiter verlassen das Fusionsprojekt.

  • September 2004 Die Fusion um GPA und Metaller platzt. Hauptgrund ist eine Auseinandersetzung um die Immobiliengeschäfte der GPA.

  • Juni 2005 GMT und ANG erklärten ihre Fusion für das Frühjahr 2006.

  • Juni 2005 Die Gewerkschaften der Eisenbahner (GdE), Handel, Transport, Verkehr (HTV) und Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) wollen ab 2007 in einer gemeinsamen Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft zusammen arbeiten.

  • März 2006 Die GPA und die Gewerkschaft Druck-Journalismus-Papier verkünden ihren Zusammenschluss.
  • (APA)
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