Ankara will Wehrdienstverweigerer nicht mehr ausbürgern

24. März 2006, 13:42
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Staatsangehörigkeitsrecht wird neu geregelt

Istanbul - Wehrdienstverweigerer in der Türkei sollen künftig nicht mehr automatisch ausgebürgert werden. Das sieht eine Reform des Staatsbürgerschafstrechtes vor, wie die türkische Presse am Dienstag berichtete. Justizminister Cemil Cicek teilte demnach nach einer Kabinettssitzung in Ankara mit, dass die türkischen Regelungen den EU-Standards angepasst werden sollen. In diesem Zusammenhang werde die bisherige Praxis aufgehoben, nach der wehrpflichtige Männer, die ihrer Dienstpflicht nicht nachkommen, ihre türkische Staatsbürgerschaft verlieren.

Die bisherige Regelung hatte in den letzten Jahren unter anderem dazu geführt, dass einige türkischstämmige Staatsbürger nicht aus Deutschland an die Türkei abgeschoben werden konnten, weil sich die türkischen Behörden nach deren Ausbürgerung nicht mehr als zuständig betrachteten. Die Zeitung "Radikal" berichtete zudem, nach der Reform könne auch der ausgebürgerte Dichter Nazim Hikmet seine türkische Staatsbürgerschaft posthum wieder erlangen. Hikmet, der bedeutendste Lyriker der Türkei, war 1951 ausgebürgert worden. Er starb 1963 im Moskauer Exil. (APA/AFP)

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