Amarone, Sagrantino und Riesling ...

13. Juli 2006, 17:20
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... aus dem Eisacktal. Die 19. Ausgabe des Gambero Rosso „Vini d’Italia“ 2006 ist soeben erschienen

Faktum ist, dass man am „Gambero Rosso“ mit seinen Gläser-Wertungen nur schwer vorbeikommt, wenn man sich mit italienischem Wein befasst. Natürlich kann man dem italienischen Wein-Guide vorwerfen, dass er konventionell bewertet ist, dass es neue Regionen schwer haben und dass vor allem nur Blockbuster-Weine gut davon kämen, was der „Internationalitis“ Vorschub leistet: Weine, die dank moderner, auf der ganzen Welt eingesetzten Kellertechnologien, zwar früh trinkbar, extra dicht und konzentriert sind und über eine gewisse süffige Süße verfügen. Dafür schmecken sie überall gleich, sind regional nicht mehr zuzuordnen, weil sie sich über weinmacherische Traditionen und regionale Rebsorten hinwegsetzen.

Aber auch im „Gambero Rosso“ schlägt sich der internationale Trend zur Regionalität nieder. Die Tendenz geht in Richtung „Struktur“, zu Weinstilen, die weniger durch Power als durch „Sehnigkeit“ und Eleganz sowie mit einen deutlichen Regionsbezug punkten.

Piemont hat die Toskana in punkto Drei-Gläserweinen überholt und abgehängt. Die Weine aus den aufstrebenden südlichen Provinzen, wie Apulien, Kampanien und Sizilien werden numerisch immer mehr. Auch Latium und Ligurien, das einige Jahre nicht vertreten war, haben heuer je einen Drei-Gläser-Wein aufzuweisen. Arnaldo Caprai in Montefalco in Umbrien, ein Weingut, auf dem man sich seit Anfang der 90-er Jahren intensiv in Klonselektionen und Versuchspflanzungen mit der lokalen Rebsorte Sagrantino auseinandersetzt, wurde „Weingut des Jahres“ und hat gleich zwei Drei-Gläser-Weine vorzuweisen. „Winzer des Jahres“ wurde Romano dal Forno aus dem Veneto, der die Jury mit einem Amarone 2000 und einem Valpolicella 2001 überzeugte, „Önologe des Jahres“ Gianni Menotti von Villa Russiz aus Friaul. Zum Newcomer des Jahres wurde der „Pacherhof“ von Josef und Andreas Huber in Neustift im Eisacktal in Südtirol gewählt, wo man auf 700 Metern Seehöhe einen Drei-Gläser-Riesling und auch Sylvaner und Kerner herstellt. Dazu kommen heuer erstmals Rankings der jeweils zehn besten Weine in den Kategorien weiß, rot, süß und sprudelnd.

Der „Vini d’Italia“ Weinguide erscheint in der 19. Auflage und bewertet insgesamt 15476 Weine von 2126 Produzenten neu. In regionalen Verkostungen, die sich über mehrere Monate ziehen, wurden aus insgesamt rund 25.000 Weinen 1500 herausgefiltert, die als würdig für die Endrunde der Tre-Bicchiere-Anwärter befunden wurden. Dass es heuer mit 246 Drei-Gläser-Weinen weniger als in den Vorjahren waren, ist auch damit zu erklären, dass in einigen Regionen der Jahrgang 2002 zum Tragen kam, der in Italien - nicht überall aber in einigen wichtigen Regionen – alles andere als berauschend ausgefallen ist, sofern man eine derartige Generalisierung in einem klimatisch so vielfältigen Land überhaupt treffen sollte.

Der Ur-„Gambero“ war übrigens eine im Dezember 1986 erstmals erschienenen Beilage zur linken Tageszeitung „il manifesto“, die sich mit Kulinarischem befasste. Was einigen Staub aufwirbelte, da es von vielen als unpassend befunden wurde, dass man sich in politisch links eingestellten Publikationen mit etwas Hedonistischem wie Wein und gutem Essen befasste. 1987 erschien der erste Weinguide „Vini d’Italia“ in Kooperation mit Carlo Petrini und dem Verein Arcigola, die bald darauf „Slow Food“ werden sollten. Die Beilage verselbständigte sich, neben einem heute noch erscheinenden Monatsmagazin und dem jährlich publizierten Weinguide gibt es auch eine TV-Kanal zu kulinarischen Themen. (Luzia Schrampf)

Ab sofort im Buchhandel:

Gambero Rosso/
Slow Food Editore
„Vini d’Italia 2006”
Deutsche Ausgabe
29,90 Euro
912 Seiten
Hallwag Verlag
München


  • Artikelbild
    grafik: hallwag
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