Sohn Marko: Belgrad blockiert Milosevic-Begräbnis in Serbien

14. März 2006, 15:27
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UN-Kriegsverbrechertribunal stellte Verfahren ein - Haftbefehl gegen Mira Markovic außer Kraft, Anklage bleibt aufrecht

Belgrad - Borislav Milosevic, der ältere Bruder des am Samstag verstorbenen früheren jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic, geht davon aus, dass das Begräbnis in Moskau erfolgen wird. Dort leben Milosevic' Witwe Mira Markovic und sein Sohn Marko. Es gebe Aussichten darauf, Slobodan Milosevic auf Wunsch der Familie in der russischen Hauptstadt zu beerdigen, wurde Borislav Milosevic am Dienstag von Belgrader Medien zitiert.

Marko Milosevic hatte schon am Montagabend erklärt, ein "vorläufiges" Begräbnis in Moskau sei wahrscheinlich. Er warf den serbischen Behörden vor, indirekt und direkt Druck auf die Familie ausgeübt zu haben, damit sie auf ein Begräbnis in Belgrad verzichtet. Die Belgrader Behörden erlauben keine Beerdigung in Serbien, sagte der Sohn des verstorbenen Politikers. Die serbischen Behörden wiesen diese Darstellung -Sohns zurück und verwiesen darauf, dass lediglich ein Staatsbegräbnis verwehrt worden sei.

Marko Milosevic: "Es handelt sich um Mord"

Der Sohn des Ex-Präsidenten traf am Dienstagmorgen in den Niederlanden ein, um den Leichnam seines Vaters abzuholen. Der Sohn des Ex-Präsidenten betrachtet den Tod seines Vaters als Mord. "Er ist nicht gestorben, er wurde umgebracht. Es handelt sich um Mord", sagte Marko Milosevic am Dienstag bei seiner Ankunft in Amsterdam laut AP.

Verfahren eingestellt

Das Haager UN-Kriegsverbrechertribunal stellte unterdessen das Verfahren gegen Milosevic ein. "Sein Tod beendet dieses Verfahren" sagte der Vorsitzende Richter Patrick Robinson. Milosevic stand seit dem 12. Februar 2002 vor Gericht. Zwei Jahre zuvor war er durch einen Volksaufstand gestürzt worden. Das UN-Tribunal warf Milosevic wegen seiner Rolle in den Balkan-Kriegen der 1990er Jahre unter anderem Völkermord vor.

Haftbefehl gegen Mira Markovic außer Kraft

Die Belgrader Justizbehörden setzten am Dienstag den vor drei Jahren ausgestellten Haftbefehl gegen Mira Markovic außer Kraft, die Anklage wegen Amtsmissbrauches bleibt jedoch aufrecht. Dies bedeutet, dass Markovic nach einer eventuellen Rückkehr nach Serbien ihren Reisepass als Garantie dafür abgeben müsste, für die Justizbehörden jederzeit erreichbar zu sein. Markovic war im Februar 2003 nach Moskau kurz vor dem Ablauf ihrer Abgeordnetenimmunität abgereist, um einem Gerichtsverfahren zu entkommen.

Keine offizielle Stellungnahme der serbischen Regierung

Die serbische Regierung hat sich zu einem Begräbnis in Belgrad bisher nicht offiziell geäußert. Vizeministerpräsident Miroljub Labus erklärte am Montag, dass sich die Regierungsmitglieder inoffiziell einer Bestattung mit Staatsehren widersetzten.

Ein Spitzenfunktionär der Demokratischen Partei, Dragan Sutanovac, erklärte am Dienstag allerdings, dass seitens einzelner Regierungsmitglieder am Wochenende Druck auf Präsident Boris Tadic ausgeübt worden sei, Mira Markovic zu begnadigen. Seitens einzelner Regierungsmitglieder sei auch die Idee vertreten worden, ein Staatsbegräbnis für Milosevic zu organisieren, sagte Stuanovac dem Sender B-92. Präsident Tadic hatte sowohl die Begnadigung für Markovic wie auch die Abhaltung eines Staatsbegräbnisses zurückgewiesen. (APA)

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