Die Rache an den Italienern

6. August 2006, 20:00
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Italienische Motorradbauer warten 2006 mit schwerem Geschütz auf unser Erspartes. Guido Gluschitsch rächt jene, die noch nicht erbten!

Nun bin ich ja jemand, der an das Gute glaubt. Auch wenn ich es selbst nicht unbedingt verkörpere. Aber darin sehe ich eine gewisse Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit ist mir wichtig.

Italien ist ein schönes Land. Das Klima ist angenehmer als bei uns. Italien ragt ins Meer. Italienisch ist eine klingende Sprache. Italienerinnen sind meist wunderschön, bis sie eines Tages zur Mamma mutieren – gerecht, oder? Und die Italiener bauen die edelsten Motorräder. Das kam mir dann schon etwas ungerecht vor.

foto: werk

So begab ich mich auf die Suche nach der Gerechtigkeit und wurde fündig: Denken wir einmal an die Moto Guzzi Norge 1200. Ein gemütliches Tourenmotorrad. Stilsicher italienisch.

Moto Guzzi spricht von einem in der Tourenklasse relativ kurzem Radstand von 1.435 Millimetern. Das heißt, man kann die Langstrecken-Italienerin sogar über die Pässe in Süditalien hetzen, so wendig muss sie sein. ABS ist natürlich serienmäßig, wie auch das verstellbare Windschild.

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Gut, die 90 Pferdestärken reißen mich jetzt nicht vom Hocker, und die 95 Newtonmeter Drehmoment wundern mich bei einer 1200er auch nicht. Aber ich bin auch kein Tourenfantiker wenn es um den Motorradtyp geht.

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Nicht genug, stellt uns Moto Guzzi auch noch die Griso 1100 in die Auslage. Ein wunderschönes NakedBike mit dem für Guzzi typischen quer verbauten V2. Einziges "Aber öha!" ist die verbaute Schultüte namens Auspuff. Gerecht ist das jedenfalls auf den ersten Blick nicht, warum die Italiener dank Moto Guzzi zwei so edle Radln haben sollen. Aber ich habe das Übel gefunden, das die Guzzis rächt. Italiener müssen mit Al Bano Carisi leben und seine unerträgliche Musik hören! Ha! Das geschieht ihnen jetzt recht.

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Schauen wir weiter: Moto Morini hält mit der Corsaro 1200 das gegebene Versprechen der Wiederauferstehung. Und schauen Sie sich das – angeblich ab Mai in Österreich – an! Doppelscheinwerfer, knackiges Häubchen drauf. Ein Gitterrohrrahmen, zwei gar nicht zierliche Auspuffröhren – underseat versteht sich – und ein Motor, der viel versprechend klingt. 87 Grad V2, 140 PS mit dem stattlichen Drehmoment von 123 Newtonmetern. Die Bremserei ist von Brembo, eh klar. Die Corsaro ist wohl eines der schönsten Bikes die es 2006 geben wird.

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Wie kann so viel Stil und Eleganz nur gerächt werden? Sie haben es erraten. Edles Bike, lausiger Premier. Sie glauben ja nicht, die Italiener hätten Berlusconi gewählt, weil er so suprig regieren kann und alle so schön fernsehen schauen macht. Nix da! Die Italiener haben sich gedacht: "Wenn wir wieder Moto Morinis haben wollen, dann müssen wir in den saueren Apfel beißen und Silvio zum Premierminister machen!"

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Da fällt mir gerade ein, dass KTM Motorräder baut, auf die wir wahrlich stolz sein können. Entscheiden wir im Herbst über das Autoprojekt der Mattighofener? Ich mag eh kein KTM-Auto.

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Die Lega Nord ist somit dann vermutlich die Genugtuung für die überarbeitete Aprilia Tuono. Der 1000er Donner ist neu gestylt – fast hätte ich gesagt sie steckt in einem neuen Kleid, aber nein, sie ist schon nackt! Dabei schöpft sie 133 PS aus dem 60 Grad V2-Motor, der ebenfalls neu ist.

>>>Aber jetzt wird es eng im Kopf und leer am Konto.

Eines der ausgefallensten Motorräder aus Italien wird nicht ganz billig werden. Wen kümmert es? Mich! Bimota Delirio.

Sergio Robbiano zeichnet für das kantige Design verantwortlich und er hat sich nicht zurückgehalten. Die Blinker vorne erinnern mich ein wenig an Ohren, wie ich sie mir auf Spocks Hofhund vorstelle. Die Doppelrohre unter der Sitzbank wirken martialisch. Sogar die Bremsscheiben sind Eyecatcher. Che Moto, che bellezza? Nur warum Bimota einen 2 Ventil V2 aus dem Hause Ducati verbaut der nicht einmal 100 Pferde auf die Straße stampfen kann, wundert mich sehr. Liegt vermutlich daran, dass wenn das Eisen zu schnell an einem vorbeifliegt, nie jemand draufkommt was das gerade war...

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Das Leiden, das die Italiener für die Delerio in Kauf nehmen mussten, ist jetzt natürlich ein gewaltiges. Es ist eine Verlustangst, die ihr Heiligstes betrifft. Das ist der Grund warum sich Italiener ständig in den Schritt greifen. "Ist eh noch alles da?" Und weil das wirklich ein herrliches Motorrad ist, die Bimota, setzt gleich nach der Gewissheit der Vollkommenheit ein enormer Juckreiz ein, welcher der Grund dafür ist, dass die Pfote für geraume Zeit zu verbleiben hat, wo sie ist...

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Bei Benelli haben die Südländer ja schon Abstriche machen müssen. Benelli gehört ja nun den Chinesen. Egal. Die Benelli TRE-K 1130 ist eine waschechte Italienerin, das sieht man sofort.

Die TRE-K ist angelehnt an die TNT aber auf der Tourenseite gebaut. Das heißt man hat den Radstand auf 1514 Millimeter verlängert, ein hübsches Windschild verbaut und den Motor modifiziert. Am Werken ist also wie in der TNT ein 3-Zylinder-Motor. Die Leistung hat man zugunsten eines besseren Drehmomentverlaufs auf 125 PS herabsetzen müssen.

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An einen Reiseriesen denkt man dennoch nicht, wenn man die Benelli sieht, sondern eher an wirklich scharfes Eisen. Italienisches Design durch und durch. Von der eigenwilligen Tankform angefangen über den roten Rahmen und die scharfe Maske bis hin zum Bürzel, das hoch und kurz wirkt.

Wem das noch zu wenig würzig ist: Benelli bringt heuer die TNT Café Racer auf den Markt, die letztes Jahr schon als Studie vorgestellt wurde. Die Frage nach einem Test-Motorrad wurde sofort verneint. Aber sonst ist sie eine Macht, die Benelli, würde ich sagen. Um da noch Gerechtigkeit walten zu lassen, gibt es nur eines: die nächsten 3 Jahreszeiten.

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Wenn Horden von Österreichern auf italienischen Stränden liegen und Bier trinken werden, wenn sie in Restaurants Schnitzel und Knocki bestellen werden, wenn Gruppen von Teutonen mit bayrischen 2-Rad-Kreuzern Sardinien und Osttirol zuparken werden – ja dann wird der Gerechtigkeit genüge getan sein. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 15.3.2006)

  • Bimoto Delirio oder "Ist eh noch alles da?"
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    Bimoto Delirio oder "Ist eh noch alles da?"

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