Brief Milosevics an Moskau mit Bitte um Behandlung

21. März 2006, 20:01

Inoffizielle Übersetzung der englischen Fassung

Den Haag - Zdenko Tomanovic, der Anwalt des verstorbenen jugoslawischen Expräsidenten Slobodan Milosevic, hat der Nachrichtenagentur AP die englische Übersetzung eines Briefes überreicht, den der 64-Jährige am 8. März an die russische Regierung geschrieben haben soll. Im Folgenden eine inoffizielle Übersetzung der englischen Fassung ins Deutsche:

"An das Außenministerium der Russischen Föderation.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit meiner Danksagung für die Solidarität und das Verständnis, das Sie zum Ausdruck gebracht haben, indem Sie sich einverstanden erklärten, mich für eine medizinische Behandlung aufzunehmen und Garantien (für eine Rückkehr Milosevics nach Den Haag, Anm.) zu geben, möchte ich Sie über Folgendes informieren:

Ich glaube, die Beharrlichkeit, mit der die medizinische Behandlung in Russland verweigert wurde, ist in erster Linie in der Befürchtung begründet, dass bei einer sorgfältigen Untersuchung entdeckt werden würde, dass aktive und mutwillige Schritte unternommen wurden, meine Gesundheit zu zerstören, und dies während des gesamten Verfahrens. Diese könnten vor russischen Spezialisten nicht verborgen werden.

Um meine Anschuldigungen zu belegen, präsentiere ich Ihnen ein einfaches Beispiel, dass Sie im Anhang finden. Dieses Dokument, dass ich am 7. März erhalten habe, zeigt, dass am 12. Jänner ein ausgesprochen starkes Medikament in meinem Blut gefunden wurde, das - wie sie selbst sagen - zur Behandlung von Tuberkulose und Lepra eingesetzt wird, obwohl ich selbst während dieser fünf Jahre in ihrem Gefängnis niemals irgendein Antibiotikum genommen habe.

Während dieser gesamten Zeit habe ich auch nie irgendeine ansteckende Krankheit gehabt (außer einer Grippe).

Auch die Tatsache, dass die Ärzte zwei Monate gebraucht haben (um mich über diesen Befund zu informieren, Anm.), ist nur dadurch zu erklären, dass wir es mit Manipulation zu tun haben. In jedem Fall können diejenigen, die mir ein Medikament gegen Lepra aufzwingen, gewiss nicht meine Krankheit behandeln; ebenso wenig wie die, gegen die ich mein Land in Kriegszeiten verteidigt habe und die ein Interesse daran haben, mich zum Schweigen zu bringen.

Sehr geehrte Herren, Ihnen ist bekannt, dass russische Ärzte, die zu den besten der Welt zählen, zu dem Schluss gekommen sind, dass die Untersuchung und Behandlung der Probleme mit den Blutgefäßen in meinem Kopf unvermeidlich und dringend sind. Ich weiß sehr gut, dass das wahr ist, und ich fühle mich sehr schlecht.

Ich wende mich an Sie in der Erwartung, dass Sie mir helfen, meine Gesundheit gegen die kriminellen Aktivitäten in dieser Institution zu verteidigen, die unter dem Zeichen der UN arbeitet, und dass ich sobald wie möglich eine angemessene Behandlung in Ihrem Krankenhaus erhalte, in dessen Ärzte, wie in Russland, ich vollkommenes Vertrauen habe.

Hochachtungsvoll,

Slobodan Milosevic"

(APA/AP)

Share if you care.