Mehr Saisonkräfte trotz sinkender Quote

13. März 2006, 19:51
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Debatte über beliebte Einstellungszusagen

Wien - Nicht nur die Zahl der Deutschen auf Österreichs Arbeitsmarkt, auch die Zahl der Mittel- und Osteuropäer steigt laufend zulasten der EU-Drittstaatsangehörigen. Ein Beispiel: Arbeiteten im Jahr 2000 rund 1600 Ungarn im Tourismus, waren es im Jahresdurchschnitt 2005 bereits mehr als 3000.

Das hängt mit der "Gemeinschaftspräferenz" zusammen, erklärt Arbeitsrechtsexpertin Ingrid Nowotny aus dem Wirtschaftsministerium. Demnach werden Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn oder Slowenen bei der Besetzung von Arbeitsplätzen gegenüber EU-Drittstaatsangehörigen bevorzugt, wenn kein Österreicher oder "integrierter Ausländer" für diesen Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Unter anderem aufgrund des starken Zuzugs deutscher Arbeitnehmer wurde im Herbst 2005 die Saisonniersquote für die laufende Wintersaison um zehn Prozent auf 8005 Kontingentplätze gekürzt. Das ist das niedrigste Kontingent seit der Saison 2000/2001. Die Verhandlungen für die heurige Sommersaison laufen. Zum Höchstrahmen für 2006 von 7500 Saisonniers kommen noch 7000 Erntehelfer.

Debattiert wird in diesem Bereich über die Wiedereinstellungszusagen, mit denen Arbeitnehmer in der Zwischensaison in der Arbeitslosigkeit geparkt werden. Das Phänomen reicht bereits weit über den Tourismus und die Bauwirtschaft hinaus. Zuletzt hatten 34 Prozent aller Arbeitslosen (106.880) eine Einstellungszusage. AMS-Chef Herbert Buchinger hat vorgeschlagen, diesem Personenkreis weniger Arbeitslosengeld auszuzahlen, dafür aber die Vermittlungstätigkeit einzustellen. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2006)

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    grafik: hauptverband/standard
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