"Die Gefahr kommt aus dem Norden"

13. März 2006, 19:45
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Dinkhauser-Sager sorgt für Aufregung

Innsbruck - "Ich werde bestätigt. Die Gefahr kommt nicht aus dem Osten, sondern aus dem Norden." Tirols AK-Präsident Fritz Dinkhauser (VP) hat angesichts der aktuellen Arbeitsmarktstatistik dieser Tage wiederholt, was ihm schon im Sommer 2005 viele Schlagzeilen eingebracht hat. Im März 2006 reichte es für die Seite eins der Bild-Zeitung und den Titel "Verlierer des Tages". Klaus Ennemoser, Obmann der österreichischen Hotellerie, meinte: "Dem Taliban-Fritz dürfte entgangen sein, dass Österreich vor über zehn Jahren der EU beigetreten ist." Dinkhauser selbst verteidigt den "Feind-Sager" damit, sonst nicht gehört zu werden, und betont: "Der Zuzug aus Deutschland ist außer Kontrolle", es brauche Jobschranken.

Faktum ist, dass in Tirol die Zahl der deutschen Arbeitnehmer sprunghaft angestiegen ist. Zuletzt war bereits jeder vierte ausländische Arbeitnehmer Deutscher. Von 10.852 Deutschen arbeiten 5034 im Fremdenverkehr. Die Zahlen werden nur noch von den "Gastarbeitern" aus Ex-Jugoslawien übertroffen.

Franz Geiger, AMS-Chef im tourismusintensiven Bezirk Landeck, bestreitet einen Verdrängungswettbewerb durch die deutschen Arbeitnehmer. Geiger geht davon aus, dass Deutsche hauptsächlich zusätzliche Arbeitsplätze in der Wachstumsbranche Tourismus besetzen. Verdrängung gebe es nur insofern, als Saisonjobs, die früher mit Türken und Staatsbürgern Ex-Jugoslawiens besetzt worden seien, nun an "neue EU-Bürgern aus Tschechien, der Slowakei, etc." gehen würden.

Die AMS-Werbetouren in Mecklenburg-Vorpommern, wie sie vor vier, fünf Jahren stattgefunden hätten, gebe es inzwischen nicht mehr, sagt Geiger. Heute laufe der Zuzug Deutscher über Mundpropaganda. (hs, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2006)

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