Atherosklerose lässt sich umkehren

13. März 2006, 21:00
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ASTEROID-Studie: Patienten mit starkem Cholesterinhemmer behandelt, Konzentration des LDL-Cholesterins deutlich gesunken

Atlanta - Die Gefäßverkalkung - die Atherosklerose - lässt sich offenbar wieder rückgängig machen. Wie der der in Fachkreisen bekannte US-Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Steven E. Nissen bei der Vorstellung einer entsprechenden Studie im Rahmen der Jahrestagung des American College of Cardiology am Montag in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) erklärte, erfolgt das bei Absenkung der Konzentration an "bösem" LDL-Cholesterin auf die Hälfte des Ausgangswertes und darunter.

Das Autorenteam unter Leitung des Wissenschafters von der Cleveland-Klinik behandelten im Rahmen der so genannten ASTEROID-Studie in 53 Zentren in den USA, Kanada, Europa und Australien zwei Jahre lang mit dem derzeit potentesten Cholesterinhemmer, Rosuvastatin. Die 507 Probanden erhielten jeden Tag 40 Milligramm der Substanz.

Ergebnisse

Bei 349 der Testpersonen mit bestätigter Atherosklerose der Herzkranzgefäße (Koronargefäße) konnte am Beginn und am Ende der Studie eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, bei der das Ausmaß der "Verkalkung" bestimmt wurde. Durch die medikamentöse Behandlung verringerte sich der LDL-Spiegel im Blut von durchschnittlich 130,4 Milligramm pro Deziliter Blut auf 60,8 Milligramm. Das bedeutete eine Reduktion um 53,2 Prozent. Gleichzeitig stieg das schützende HDL-Cholesterin um 14,7 Prozent.

Beim zweiten Test zeigte sich, dass es bei 63,6 Prozent der Behandelten zu einem Rückgang der Atherosklerose gekommen war. Das Volumen der größten Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen nahm um 9,1 Prozent ab. Solche positive Veränderungen zeigten gar 78,1 Prozent der Patienten.

Rückgang statt nur Verlangsamung des Voranschreitens

Nissen und die Co-Autoren: "Bisher glaubte man, dass die Atherosklerose auf jeden Fall fortschreitet und auch durch die aggressivste Behandlung nur verlangsamt werden kann. Die neue Studie zeigt, dass es hier eine Möglichkeit für eine optimistischere Strategie geben könnte, bei der man mit einer hoch wirksamen Behandlung die Verkalkungsprozesse sogar rückgängig machen kann."

Allerdings, es muss nicht Rosuvastatin (AstraZeneca) sein. Der US-Spezialist hat eine ähnliche wissenschaftliche Untersuchung mit einem derartigen Ergebnis auch bereits mit dem weltweit am häufigsten verwendeten Cholesterinsenker, Atorvastatin (Pfizer), durchgeführt. Dabei wurde eine sehr hohe Dosis von 80 Milligramm verwendet.

Zielwerte

So erklärte der Experte vor zwei Jahren zu dieser Studie in den USA gegenüber der APA: "Wir haben damit erstmals zeigen können, dass man die Atherosklerose stoppen kann. Der LDL-Spiegel kann offenbar gar nicht gering genug sein. Wenn man das LDL-Cholesterin um 50 Prozent senkt, stoppt man die Gefäßverkalkung. Geht man darunter, kehrt man sie um."

International empfehlen die Kardiologen für Patienten, die an einer bestätigten Atherosklerose leiden, einen LDL-Cholesterinspiegel von wenige als 100 Milligramm pro Deziliter Blut. Doch es gibt - nach Studien wie jene Nissens - immer mehr Fachleute, die für die Zukunft eine weitere Reduzierung dieses Zielwertes verlangen. (APA)

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