Unruhen am Linzer Hauptbahnhof

15. März 2006, 09:13
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Pächter mit Mieten im Rückstand - Centermanager fühlt sich für Branchenmix nicht verantwortlich

Linz – "Die Einkaufspassage läuft im Großen und Ganzen sehr gut", sagt Günther Kirchmair, Centermanger des neuen Linzer Hauptbahnhofes. Dass seit der Eröffnung im Dezember 2004 bereits zwei Läden wieder geschlossen haben, bezeichnet er als "Ausreißer". Ein Juwelier und ein Sonnenbrillenfachgeschäft, diese Branchen laufen nicht an einem "Pendlerbahnhof" wie in Linz. Den Vorwurf einiger Pächter, "sein" Branchenmix am Bahnhof passe nicht, will er aber nicht auf sich sitzen lassen. "Die Erstvermarktung der Flächen ging von Wien aus", sagt Kirchmair.

Genauso wehrt sich der Centermanager gegen Vorwürfe, die ÖBB kümmerten sich nicht um die Einkaufpassage. Der Friseur Heinz Loicht hatte im Gespräch mit dem STANDARD beklagt, die Bundesbahn stehle sich aus ihrer Verantwortung, für Ordnung zu sorgen. Kunden werden von Passanten belästigt oder Punks zetteln Schlägereien an. Unternommen werde aber nichts. Aus dem Grund behält Loicht ein Viertel des Mietzins ein. "Es stimmt, Geschäfte zahlen ihre Miete nicht so, wie sie sollten", sagt der Centermanager. Dem Vernehmen nach stehen weitere Pächter seit Monaten mit ihrem Zins im Rückstand.

Klagen der Pächter Unzufriedene Geschäftsinhaber – sei es nun wegen des Umsatzes oder der Führung der Passage – bilden offenbar nicht die Ausnahme. Wolfgang Mayer etwa, der ein Reisetaschengeschäft betreibt, muss ebenfalls seinen Laden räumen. Allerdings nicht aus finanziellen Gründen, wie die ÖBB-Pressestelle noch am Freitag meinte, sondern weil die Bundesbahnen plötzlich selber besagte Fläche wollen. Nur wenige Monate nachdem Mayer im Untergeschoß sein Reisetaschengeschäft eröffnete hatte, trat die Bundesbahn mit einer Bitte an ihn heran. Er solle wieder ausziehen, weil in "seinem Geschäft" die so genannte Club-Lounge für Fahrgäste der ersten Klasse eingerichtet werde.

Erst nach langwierigen Verhandlungen wurde man sich einig. Mayer übersiedelt mit seinen Taschen in das ehemalige Juweliergeschäft. Auch für dieses Hin und Her fühlt sich Kirchmair nicht verantwortlich. Die Entscheidung, in Linz eine Lounge zu eröffnen habe der Bereich Personenverkehr getroffen.

Verstärkung

Eine Entscheidung habe er dann aber doch mitgetragen. Seit Montag verstärkt der private Sicherheitsdienst "Securitas" die Bahnhofskontrollen. Eine Hundestreife patrouilliert jetzt zusätzlich zum ÖBB- Wachpersonal und der Polizei. Und dies so lange, bis im nächsten Jahr am Bahnhof eine Polizei-Inspektion mit 50 Mann einziehen wird. Außerdem sind auf dem gesamten Bahnhofsgelände 80 Videokameras installiert. "Wir sind bestimmt nicht untätig, was die Sicherheit betrifft", sagt Kirchmair. Doch "hart durchgreifen", wie sich die Pächter dies vorstellen, gehe es per Gesetz nicht. Der Bahnhof ist ein öffentlicher Platz, von dem etwa Obdachlose nicht grundlos vertrieben werden könnten. (Kerstin Scheller, DER STANDARD-Printausgabe, 14.03.2006)

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