Intelligente Autos statt intelligenter Fahrer?

14. März 2006, 22:22
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Mario Rohracher, Leiter der ÖAMTC- Interessensvertretung, zeigt sich begeistert von der EU-Initiative "Intelligentes Fahrzeug"

Oberstes Ziel der EU-Initiative "Intelligentes Fahrzeug" ist es, bis 2010 die Zahl der Verkehrstoten im EU-Raum von derzeit jährlich rund 40.000 zu halbieren. Systeme, die übermüdete Fahrer warnen, würden nach Schätzungen der Kommission allein 30 Prozent der Unfälle auf Autobahnen verhindern. "Intelligente" Fahrzeuge könnten eine Bremsunterstützung, Warnung beim Abkommen von der Fahrspur, Kollisionsvermeidungssysteme, automatische Notrufsysteme und aktiven Fußgängerschutz durch Erfassung und Warnung bieten.

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derStandard.at: Die "intelligente Fahrzeug"-Initiative der EU-Kommission – als Teil der i2010 Strategie – will die Einführung neuer Technologien stärken. Begrüßen Sie diese Initiative?

Rohracher: Sehr. Natürlich muss an mehreren Stellen angesetzt werden, wenn es um die Sicherheit des Autofahrens in der Zukunft geht. Eine Möglichkeit ist das "intelligente Fahrzeug", ein zweiter wichtiger Block ist die "intelligente Straße" und der dritte Ansatzpunkt ist natürlich der Fahrer selbst. Die Entwicklungen im Bereich eSafety sind auf alle Fälle zu begrüßen.

derStandard.at: Wie realistisch sind in Ihren Augen Schätzungen, dass zum Beispiel 4000 Auffahrunfälle vermieden werden könnten, sollten nur 3 Prozent der Fahrzeuge mit der Adaptive Cruise Control ausgerüstet.

Rohracher: Diese und ähnlich Statistiken halte ich durchaus für realistisch. Wichtig wäre, die "adaptive cruise control" so schnell wie möglich bei LKW einzusetzen. Die "rollenden Bomber" auf der Straße fahren ja manchmal in Abständen, die man nur mehr als gefährlich bezeichnen kann. Verunfallt einer dieser LKW, dann entwickelt sich das schnell zu einer Massenkarambolage. Die Ausdehnung solcher Technologien auf PKW ist natürlich ein sehr langfristiger Plan.

derStandard.at: Wird sichereres Autofahren in Zukunft noch mehr zu einer Frage der Finanzkraft?

Rohracher: In die LKW sollten die Systeme sehr rasch kommen. Die Systeme sind marktreif. Der richtige Ansatz wäre, die LKW-Hersteller dazu zu bringen, die Systeme serienmäßig in die neuen LKW einzubauen. Wenn man weiß, was ein LKW heutzutage kostet, sind die zusätzlichen Kosten wirklich marginal. Bei PKW ist das natürlich etwas anders. Trotzdem wäre der Nutzen enorm. Vor allem das "electronic stability program" ist eine Möglichkeit, schweren Fehlern des Fahrers vorzubeugen. Und außerdem: früher war ABS auch eine "Sonderausstattung", mittlerweile gibt es keine neuen Autos ohne ABS mehr.

derStandard.at: Intelligente Autos statt intelligenter Fahrer?

Rohracher: Natürlich kommt immer wieder das Argument, dass Fahrer leichtsinnig werden, wenn sie sich in Sicherheit wiegen. Man denke nur an die Einführung der Allradtechnik, als manche glaubten, sie könnten nun aus keiner Kurve mehr fliegen. Aber fährt man zu schnell in eine Kurve, gewinnt einfach die Physik, trotz Allrad. Wir glauben aber, dass die Vorteile gegenüber dem möglichen Nachteilen, dem Sicherheitsrisko aus Leichtsinnigkeit, überwiegen.

derStandard.at: Inwiefern werden Sie, als Interessensverteter auf EU-Ebene eingebunden?

Rohracher: Wir bringen uns im Brüssel im Rahmen des europäischen Büros der FIA (dem Weltdachverband der Automobilclubs, Anm.) sehr aktiv ein. Von dort aus passiert das direkte Lobbying, Positionspapiere werden in Arbeitsgruppen ausgearbeitet, die an die Kommission weitergeben werden. Aber wir sprechen auch konkret mit den EU-Parlamentariern. (mhe)

  • Mario Rohracher
    foto: standard/cremer

    Mario Rohracher

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