Die Akte Marseille wird geöffnet

17. März 2006, 19:36
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Prozess um illegale Zahlungen bei Olympique hat begonnen - Französischer Sportminister gegen Börsegang von Vereinen

Marseille/Paris - Der Mehrheitseigentümer von Olympique Marseille, Robert Louis-Dreyfus, muss sich ab Montag wegen Bestechungsvorwürfen und angeblicher Unterschlagungen vor einem Gericht verantworten. Der Mäzen, der zwischen 1997 und 2000 an die 170 Millionen Euro von seinem eigenen Vermögen in den Traditionsverein steckte und ihn damit vor dem Konkurs bewahrte, steht gemeinsam mit Ex-Trainer Rolland Courbis und zahlreichen anderen Klubverantwortlichen vor Gericht.

Primär gilt es zu klären, wer von den illegalen Zahlungen rund um 15 Transfers gewusst hat. Unter den betroffenen Spielern sind auch einige prominente Namen wie Chelsea-Star Claude Makelele, die Weltmeister Christophe Dugarry und Laurent Blanc sowie Italiens "Weiße Feder" Fabrizio Ravanelli.

Sport-AGs "unsolidarisch"

Der französische Sportminister Jean-Francois Lamour hat unterdessen den Börsegang von Fußball-Vereinen kritisiert und für den Rückgang der Bedeutung der Nationalmannschaften verantwortlich gemacht. Sport-Aktiengesellschaften würden sich außerdem der Solidarität mit dem Amateursport entziehen und ihre eigenen Regeln schaffen, um den Aktionären stabile Verhältnisse zu sichern.

Als Konsequenz aus den Börsegängen könnten sich schon in den nächsten fünf Jahren geschlossene Ligen ohne Abstiegsgefahr durchsetzen, äußerte der Politiker gegenüber der Finanzzeitung "La Tribune".

Hintergrund der Minister-Kritik ist, dass Frankreich auf Druck der EU-Kommission das geltende Börsenverbot für Sportvereine aufheben muss. Zur Finanzierung des Amateursports steht eine Erhöhung der Steuern auf Fernsehübertragungen im Raum. Die Voraussetzungen für eine Notierung hätten derzeit ohnehin nur sechs französische Vereine erfüllt. Serienmeister Olympique Lyon meldete laut Lamour bereits Interesse an. (red/APA/dpa)

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