Die Öko-Katastrophe der Osterinsel kam schnell

22. März 2006, 14:16
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Archäologe: Insel Jahrhunderte später besiedelt als gedacht - Umweltzerstörung durch Menschen müsste daher gleich nach deren Ankunft begonnen haben

Als der Niederländer Jakob Roggeveen im Jahr 1722 mit drei Schiffen die abgelegene Osterinsel (benannt nach dem Tag ihrer "Entdeckung") erreichte, fand er ein im Vergleich zu anderen pazifischen Inseln ödes Stück Land vor: Den beeindruckenden Tempeln und "Moai"-Steinfiguren, die die Osterinsel berühmt gemacht haben, standen erodierte Böden, Nahrungsmittelmangel und eine darbende Urbevölkerung gegenüber.

Die genaue Periode der Erstbesiedelung der Insel durch polynesische AuswanderInnen ist nicht bekannt - aufgrund archäologischer Funde wurde bisher vom 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ausgegangen; auch eine frühere Besiedelung wurde nicht ausgeschlossen. Spuren einer kulturell bedingten massiven Umweltzerstörung (wie in Kevin Costners Film "Rapa Nui" dargestellt) finden sich seit dem 13. Jahrhundert. Bevor die Inselbevölkerung also die Wälder der Osterinsel abholzte - unter anderem, um ihre großen Moais zu errichten -, müsste sie einige Jahrhunderte lang in ökologischem Gleichgewicht gelebt haben, so die Schlussfolgerung daraus. - Falsch, glaubt der Archäologe Terry Hunt von der Universität Hawaii.

Ablauf bekannt, Tempo noch offen

Hunt und sein Kollege Carl Lipo von der California State University untersuchten Kohle-Reste, die in der Region Anakena gefunden wurden - dem Gebiet der Osterinsel, das als wahrscheinlichster Ankunftsort der ersten polynesischen EinwanderInnen gilt. Alle per Radiokarbonmethode untersuchten Proben reichten jedoch nicht weiter als ins beginnende 13. Jahrhundert zurück.

Hunt glaubt daher, dass die Theorie von den zwei ökologisch höchst unterschiedlichen Phasen der Osterinsel-Besiedelung falsch ist. Vielmehr hätten die EinwanderInnen unmittelbar nach ihrer Ankunft mit dem Abholzen der Inselwälder begonnen und dadurch die Boden-Erosion ausgelöst, die heute als eine der bekanntesten menschgemachten Öko-Katastrophen der Geschichte gilt.

Skepsis

Nicht alle sind von Hunts Theorie überzeugt, wie der "New Scientist" berichtet: Patrick Kirch von der Berkeley-Universität in Kalifornien verweist auf die Besiedelungsgeschichte der nächstgelegenen Pazifikinseln, etwa der späteren "Bounty-Meuterer"-Insel Pitcairn. Diese würde eher zu einer Erstbesiedelung der Osterinsel im 9. oder 10. Jahrhundert passen. Kirch ist skeptisch, was die Relevanz der jüngsten Untersuchungen anbelangt. Möglicherweise sei einfach eine relativ späte Siedlung untersucht worden, während nahe gelegene ältere vernachlässigt worden sein könnten. Einzige Möglichkeit, um die Wahrheit herauszufinden, sei daher die Analyse weiterer Fundstätten.
(red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die für die Osterinsel typischen Moai

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