Hintergrund: Rifampicin - Antibiotikum mit unberechenbaren Wechselwirkungen

21. März 2006, 20:01

Medikament wird zur Behandlung von Tuberkulose und Lepra eingesetzt

Berlin - Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic hat nach Angaben des niederländischen Toxikologen Ronald Uges im UNO-Gefängnis in Scheveningen ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Rifampicin eingenommen.

Rifampicin ist ein Medikament etwa zur Behandlung von Tuberkulose und Lepra, das auch gegen Legionellen, Streptokokken und Staphylokokken eingesetzt werden kann. Mit anderen Medikamentengruppen kann Rifampicin, das in den deutschsprachigen Ländern unter den Handelsnamen Eremfat, Rifa und Rimactan bekannt ist, unberechenbare Wechselwirkungen entfalten. Insbesondere ist Rifampicin dafür bekannt, den Abbau anderer Medikamente zu beschleunigen und damit ihre Wirkungsweise zu beeinträchtigen.

Herkunft und Dosierung des von Milosevic genommenen Rifampicins waren am Montag nicht bekannt. Auch Hinweise zur Indikation lagen nicht vor. Der UNO-Häftling könnte das Mittel gezielt eingesetzt haben, weil er eine Haftentlassung zur Weiterbehandlung in Moskau durchsetzen wollte. Er hätte somit in Kauf genommen, dass die Medikamente zur Behandlung seines Bluthochdrucks an Wirksamkeit verloren. Nachgewiesen sind insbesondere Wechselwirkungen zwischen Rifampicin und Betablockern. Es ist auch nicht auszuschließen, dass das Rifampicin bei Milosevic in Kombination mit anderen Wirkstoffen eine Vergiftung hervorrief. (APA)

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