13. März 2006, 19:34
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Die WAZ-Mediengruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") bereitet sich in Deutschland auf mögliche Konkurrenz durch Gratiszeitungen vor. Der Konzern plant ein kostenloses Blatt, aber nur für den Fall, dass andere Anbieter mit einem solchen Produkt auf den Markt kommen. "Auf keinen Fall würden wir zulassen, dass - wie in der Schweiz - eine Gratiszeitung auf den Markt kommt und wir tatenlos bleiben", teilte der Verlag, in Österreich an "Krone" und "Kurier" beteiligt, am Montag mit.

Die WAZ-Gruppe sei gewappnet, jeden Angriff auf ihre Märkte abzuwehren. Generell sei die Herausgabe einer Gratiszeitung aber der falsche Weg, weil sie wirtschaftliche Verluste und auch den Verlust an journalistischer Qualität zur Folge hätte. "Kein einziges Gratiszeitungsprojekt in Deutschland kommt auch nur in die Nähe der Profitabilität", hieß es in der Mitteilung.

Pläne für eigene Gratiszeitung

Berichten in "Spiegel" und "Focus" zufolge soll die WAZ eine eigene Gratiszeitung entwickeln, um auf Pläne ausländischer Verlage wie Schibsted aus Norwegen oder Metro International aus Schweden zu reagieren. Diese könnten möglicherweise zur Fußball-Weltmeisterschaft mit kostenlosen Blättern in deutschen Städten auf den Markt zu kommen. Der Schibsted-Verlag, der unter anderem in Spanien und Frankreich kostenlose Zeitungen anbietet, hatte von 1999 bis 2001 in Köln eine Gratiszeitung herausgegeben. Das Angebot wurde aber eingestellt, nachdem der Verlag Axel Springer ein Konkurrenzprodukt lancierte.

Laut "Focus" lasse der neue WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz seit Anfang März eine 40-seitige Gratiszeitung vorbereiten. Ende April solle das Testobjekt vorliegen. Die WAZ-Gruppe folgt mit ihrer Strategie Axel Springer, der seit Herbst letzten Jahres unter dem Projektnamen "Gratissimo" ebenfalls einen Plan für eine Gratiszeitung in der Schublade hat, um sein Zugpferd "Bild" gegen kostenlose Konkurrenz zu verteidigen.

Bewegung im Gratis-Tageszeitungssektor könnte es heuer auch in Österreich geben. Das Wiener Blatt "Heute" ist auf Expansionskurs und steigert kontinuierlich seine Auflage. In Oberösterreich hat OÖN-Verleger Rudolf A. Cuturi Überlegungen für ein Gratiszeitungs-Projekt bestätigt. (APA/Reuters)

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