SAP-Chef prüft Umwandlung in Europa AG

14. März 2006, 10:57
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SAP-Sprecher dementiert Zusammenhang Streit um Betriebsrat

"Wir bereiten die Entscheidungsfindung vor", zitiert die "Wirtschaftswoche" in ihrer neuesten Ausgabe den SAP-Chef Henning Kagermann. Das Projekt stehe im Vorstand des Walldorfer Unternehmens schon länger auf der Agenda, Kagermann wolle es nun aber forcieren, hieß es. Er werde dabei von Führungsleuten wie auch den SAP-Gründern Dietmar Hopp, Hasso Plattner und Klaus Tschira unterstützt.

SAP-Sprecher dementiert Zusammenhang Streit um Betriebsrat

Ein SAP-Sprecher bestritt am Sonntag jedoch ausdrücklich die Darstellung des Magazins, dass dies vor dem Hintergrund des konzerninternen Streits um die Gründung eines Betriebsrates geschehe. "Die Prüfung verschiedener Rechtsformen findet immer statt. Es gibt aber hier keinen Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um einen Betriebsrat bei SAP", sagte er. Weder im Vorgehen der SAP-Führung in Sachen Betriebsrat, noch in der Frage einer Europa AG gebe es bislang irgendeine Entscheidung, fügte er hinzu.

Grundlagen

Als erstes deutsches Großunternehmen hatte der Münchner Allfinanzkonzern Allianz im Herbst angekündigt, sich zu einer "Europäischen Gesellschaft" umzuwandeln. Die Organisation in der Rechtsform als SE (Societas Europaea) an Stelle einer Aktiengesellschaft nach deutschem Recht ist seit Ende 2004 möglich. Dadurch können Unternehmen auf gleicher Rechtsgrundlage in mehreren Ländern agieren und ihre internen Strukturen der Führungsgremien ändern. Eine SE kann ohne Aufsichtsrat nur mit einem Board (Verwaltungsrat) nach angelsächsischem Vorbild geführt werden, womit die Arbeitnehmer an Gewicht verlieren würden. Die Allianz will dies jedoch erklärtermaßen nicht tun und die Mitbestimmung im Aufsichtsrat erhalten.

Widerstand gegen Betriebsrat

Kagermann hat seinen Widerstand gegen die Gründung eines Betriebsrates bei SAP erklärt, zumal die weit überwiegende Mehrheit der Angestellten - in der Regel Hochschulabsolventen - eine solche Interessensvertretung auch ablehnten. "Wir sind es unseren Mitarbeitern schuldig, hier alle Möglichkeiten auszuloten, ob ein Betriebsrat, den sie eindeutig nicht wollen, letztlich abwendbar ist", sagte Kagermann in einem Zeitungsinterview. "Wir brauchen noch ein paar Tage, unsere Möglichkeiten juristisch prüfen zu lassen."

Bei einer Betriebsversammlung in der vergangenen Woche hatte sich nur eine kleine Minderheit von 500 SAP-Beschäftigten für die Vorbereitung der erstmaligen Wahl eines Betriebsrats ausgesprochen. Nach dieser Abstimmungsniederlage hatten drei SAP-Mitarbeiter beim Arbeitsgericht Mannheim einen Antrag auf Einsetzung eines Wahlvorstands eingereicht, der die Betriebsratswahl für die Konzernzentrale in Walldorf und den Standort im benachbarten St. Leon-Rot organisieren soll.

Die IG Metall versucht seit Jahren wie die Gewerkschaft Verdi vergeblich, bei SAP Fuß zu fassen

SAP ist mit mehr als 13.000 Mitarbeitern in Deutschland seit der Gründung 1971 das größte deutsche Unternehmen ohne eine gesetzliche Arbeitnehmervertretung. Die IG Metall versucht seit Jahren wie die Gewerkschaft Verdi vergeblich, bei SAP Fuß zu fassen. Bereits vor drei Jahren war ein Vorstoß für eine Betriebsratsgründung am mangelnden Interesse der Belegschaft gescheitert.(Reuters)

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