EU-Minister wollen Basis für "gemeinsame Währung" für Bildung legen

8. Juni 2006, 16:57
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Weitere Tagesordnungspunkte bei informellem Rat: Westbalkan-Staaten, EU-Elite-Uni und Anhebung der Fremdsprachenkenntnisse

Wien - Die EU-Bildungsminister wollen beim informellen Rat am Donnerstag und Freitag in Wien die Basis für eine "gemeinsame Währung" für Bildung legen. Dazu soll ein "Qualifikationsrahmen" geschaffen werden, quasi ein Übersetzungsinstrument, das die Bildungsabschlüsse und Qualifikationen in den Mitgliedstaaten vergleichbar macht und damit deren Anerkennung erleichtert. Zur Ratssitzung sind erstmals auch die Bildungsminister der Westbalkan-Staaten eingeladen. Diesen Ländern soll der Zugang zu den EU-Mobilitätsprogrammen geebnet werden.

Derzeit dürfen die Westbalkan-Staaten (Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Serbien-Montenegro) bei den Mobilitätsprogrammen noch nicht mitmachen. Diese Programme befinden sich überhaupt in einem Umbruch: Während der österreichischen Ratspräsidentschaft soll das neue "Bildungsprogramm für Lebenslanges Lernen", in dem ab 2007 die bisherigen Aktivitäten wie etwa Comenius, Erasmus oder Leonardo zusammengefasst werden, weitestgehend mit Rat und Parlament akkordiert werden.

Außerdem wollen die Bildungsminister in Wien Pläne zur Ausweitung der Sprachkompetenz der EU-Bürger diskutieren. Ziel ist es, dass jeder Europäer drei Sprachen beherrscht. Deshalb wurde vor Kurzem die Vorbereitung eines europaweiten Fremdsprachentests für Jugendliche im Alter von 15 bzw. 16 Jahren beschlossen, um das Niveau des Sprachunterrichts in den einzelnen Ländern zu beurteilen und dann gezielt anzuheben.

Weiterer Tagesordnungspunkt: Am Donnerstag will EU-Bildungskommissar Jan Figel in einem Referat die Pläne der Kommission zur Schaffung eines Europäischen Instituts für Technologie (EIT) präzisieren. Zuletzt hatten sich etwa die europäischen Rektoren unzufrieden mit der geplanten Struktur der "EU-Elite-Uni" gezeigt. Nach den Vorstellungen der EU-Kommission soll sie aus einem Netzwerk von rund zehn so genannten "Wissensgemeinschaften" bestehen, die einem zentralen Verwaltungsrat unterstehen. Österreich will sich mit dem derzeit in Entstehung befindlichen Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Gugging (NÖ) daran beteiligen.

Im Vorfeld des Treffens der Bildungsminister bzw. parallel dazu tagen auch Schüler- und Studentenorganisationen in Wien: Bei der "European Students Convention" der europäischen Dachorganisation von nationalen Studentenvertretungen (ESIB) wollen mehr als 120 Studentenvertreter bis Dienstag (14. März) ihre Anliegen an die Politik formulieren. Noch bis Freitag (17. März) veranstaltet außerdem die OBESSU (Organizing Bureau of European School Student Unions/Europäischer Dachverband der Schülerorganisationen) in Wien eine Konferenz zum Themenbereich Pädagogik. (APA)

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