Deutscher Festnetzmarkt steht vor Neuordnung - Arcor im Fokus

21. März 2006, 10:21
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Konkurrenten der Deutschen Telekom werden mit Glasfaser wegen hoher Investitionen keine breite Abdeckung schaffen

Der deutsche Festnetzmarkt steht nach dem Preisverfall in den vergangenen Jahren vor der Konsolidierung. Herauskommen soll ein echtes Gegengewicht zur dominanten Deutschen Telekom. Bisher ist die Konkurrenz der Bonner in eine Reihe von alternativen Anbietern und Stadtnetzbetreibern unterteilt, die der Telekom mit günstigen Angeboten Marktanteile abnehmen. Auftrieb erhalten die Wettbewerber durch die zunehmende Verbreitung von schnellen Internetzugängen. Mittlerweile sind rund zwei Drittel aller DSL-Nutzer bei ihnen unter Vertrag - Tendenz steigend.

Allerdings erhöht die Telekom mit dem Bau des Glasfasernetzes (VDSL) den Druck auf die Wettbewerber und forciert damit nach Einschätzung von Experten auch die Konsolidierung. Mit dem drei Milliarden teuren Projekt sollen deutlich schnellere Übertragungsraten in den 50 größten Städten möglich werden. Abgehängt werden damit lokale Anbieter wie die Kölner NetCologne, die Münchner Mnet oder Versatel, die eine Reihe von Großstädten mit einem eigenen Netz versorgen. "Was die Telekom eigentlich plant, ist uns Kunden im Breitbandgeschäft abzujagen", sagt Versatel-Chef Peer Kauer. Denn bisher verlieren die Bonner vor allem in Großstädten an Boden, wo die lokalen Anbieter mit ihrem eigenen Netz günstige Preise bieten können.

Auch wenn einige Telekom-Konkurrenten den Bau eines eigenen Glasfasernetzes planen, so werden sie nach Einschätzung von Knauer keine breite Abdeckung schaffen. Die Investitionsvolumina wären zu hoch. "Pro Meter verlegten Glasfaser fallen für uns 300 Euro an, bei der Telekom nur 1 Euro, da sie bereits vorhandene Röhren nutzen kann", pflichtet Arcor-Chef Harald Stöber bei. Die Vodafone-Tochter plant daher keinen Bau eines eigenen VDSL-Netzes.

Bei den Besitzern regionaler Anbieter, zumeist Stadtwerke und lokale Genossenschaftsbanken, steigt nun die Tendenz, sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Davon will Versatel-Chef Knauer profitieren. "Wir setzen auch auf anorganisches Wachsen", sagt er. Also auf Zukäufe. Derzeit befände sich Versatel in einem Verkaufsprozess um einen größeren Anbieter, den Namen nannte er allerdings nicht. Über genügend finanzielle Mittel verfügt Versatel dank der vollen Kassen der Muttergesellschaft Apax Partners. Der Finanzinvestor will wie Permira bei der Neuordnung der deutschen Festnetzbranche eine führende Rolle einnehmen. Permira kontrolliert bereits Deutschlands größten Mobilfunkprovider debitel.

Das am heißesten gehandelte Kaufziel ist die Vodafone-Tochter Arcor. Der Käufer würde mit einem Schlag zum zweitgrößten Festnetzanbieter hinter der Telekom aufsteigen. Der Verkaufsprozess soll Branchenkreisen zufolge zur Jahresmitte anlaufen. Als Interessenten haben sich Schwergewichte wie Telefonica und France Telecom wie auch Finanzinvestoren in die Schlange eingereiht. Allerdings werde nun geprüft, den Verkauf abzublasen und Arcor mit Vodafone D2 zu verschmelzen. Damit könnte ein integrierter Anbieter für Mobilfunk- und Festnetz entstehen, der von dem Zusammenwachsen der Netze profitieren würde, hieß es in unternehmensnahen Kreisen. Eine Entscheidung sei noch offen, hieß es.(APA/dpa)

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