Dem Staub auf der Spur

21. März 2006, 18:43
posten

Neue Wege zur Feinstaubanalyse in Wien und Innsbruck

Was ist drin in dem Dreck? Wer sich mit dem bloßen Wiegen von Feinstaub nicht begnügen will, muss qualitative Methoden entwickeln. Hans Puxbaum vom Institut für Chemische Technologien und Analytik der TU Wien hat die so genannte Makrotraceranalyse aus den USA importiert. "Wir waren die ersten in Europa", sagt Puxbaum, "und haben eine Reihe von neuen Verbindungen eingeführt, die vorher keine Tracer waren, etwa Platin und Silizium."

Die Grundidee der Makrotraceranalyse ist simpel: bestimmte Tracer sollen die Quelle der Inhaltsstoffe preisgeben. So verweist etwa Ruß auf Verbrennung aus Dieselmotoren während Levoglucosan auf Holzbrand zurückzuführen ist. Andere Tracer verweisen auf Auftaumittel, Splittstreuung oder "Ferntransport", also Sulfat, Nitrat und Ammonium, die zum Großteil nicht aus österreichischen Quellen stammen und vor allem im Winter über die Grenze geweht werden. So lässt sich im Falle der Überschreitung von Grenzwerten zeigen, welche Quellen dafür verantwortlich sind und warum fast nur im Winter.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Sigmar Bortenschlager vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck. Botanik und Feinstaub? Ja, über den Pollenwarndienst sei man schon lange an dem Thema dran, erklärt Bortenschlager. Nun führt man Feinstaubmessungen an bereits existierenden Pollenflugpräparaten durch, die mithilfe von Pollenfallen gewonnen werden. Der gesamte Staubgehalt der Luft ist in diesen Präparaten auf einem feinen Film fixiert. Mit einem eigens entwickelten Bildanalyseprogramm wird der Feinstaub auch der Form nach untersucht. Um diese Daten auswerten zu können, hat man sich mit dem Institut für Informatik zusammengetan. Anders als bei den herkömmlichen rein quantitativen Feinstaubmessungen könne nun eine qualitative Analyse vorgenommen werden, so Bortenschlager. Dadurch ließe sich unterscheiden, ob der Feinstaub-Abrieb von der Autobahn oder Ruß vom Hausbrand sei. Ein zusätzlicher Vorteil sei, dass dank der Fangmethode die einzelnen Feinstaubteilchen nicht miteinander koagulieren können, was das Ergebnis verzerren würde. Bisher handle es sich nur um Probemessungen, aber es funktioniere, so Bortenschlager. Das Projekt läuft seit 2005 und wird von der Gesundheitsabteilung der Tiroler Landesregierung und vom Transferzentrum trans-IT gefördert. Mittels der archivierten Pollenpräparate könnte man die Feinstaubentwicklung in Innsbruck gar bis 1977 zurückverfolgen, skizziert Bortenschlager ein zukünftiges Projekt. (hoco/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 3. 2006)

Share if you care.