Der geheime Schlüssel

21. März 2006, 18:43
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Internationale Kryptografen-Tagung erstmals in Österreich

Damit vertrauliche Nachrichten geheim bleiben, arbeiten Kryptografie-Experten rund um den Globus an der Ver-und Entschlüsselung von Daten. Renommierte Forscher auf dem Gebiet treffen einander vom 15. bis 17. März erstmals in Österreich.

Zentrales Thema der Konferenz "Fast Software Encryption" (FSE) an der TU Graz ist die Informationssicherheit vom Datentransport bis zur Archivierung. Mit der Benützung von Bankomat, Handy oder Mail verwendet fast jeder täglich Technologien, die Sicherheitsmechanismen erfordern. Dahinter verborgen steht die Entwicklungsarbeit der Kryptografie - der Wissenschaft von der Verschlüsselung von Informationen mit Algorithmen. Diese "geheimen Schlüssel" der Computerinformation sowie mögliche Wege, die herrschenden Sicherheitsstandards zu verbessern, sind weitere Themen der 13. FSE-Konferenz am Institut für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie (IAIK) der TU Graz. FSE-Konferenzen wurden in früheren Jahren in Cambridge, New York oder Neu-Delhi abgehalten.

Nachdem der weltweit für Topsecret-Nachrichten verwendete Verschlüsselungsmechanismus SHA-1 (Secure Hash Algorithm) seit seiner Einführung zehn Jahre lang als sicher galt, wurde er 2005 von der Forscherin Xiaoyun Wang und ihrer chinesischen Expertengruppe gebrochen: "Neue Resultate dieser Forscher werden auf der FSE-Konferenz präsentiert", so Mitorganisator Christian Rechbauer vom IAIK, Diese Ergebnisse seien zum Beispiel für die Anwendung von digitalen Unterschriften wichtig - und somit auch für Firmen und Regierungsorganisationen interessant. "Graz wird drei Tage lang zum Zentrum der weltweit Besten in der Kryptografie", lobt Konferenzleiter Vincent Rijmen die eigene Veranstaltung. Rijmen hat in den Neunzigerjahren einen bis heute ungebrochenen Verschlüsselungsalgorithmus entwickelt. Sein aktueller AES (Advanced Encryption Standard) gilt nach Ansicht von Fachleuten der amerikanischen NSA (National Security Agency) als sehr sicher.

Im Zuge des EU-Projekts Ecrypt ist man auf der Suche nach Verschlüsselungsverfahren für spezielle Anwendungsbereiche. "Extrem klein und extrem schnell sind die Herausforderungen", so Rechberger. Diesbezüglich erste Ergebnisse werden in Graz präsentiert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 3. 2006)

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