FPÖ und Grüne eint Kampf gegen Sonntagsöffnung

13. März 2006, 12:18
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FPÖ für Schutz der Familie, Grüne fordern mehr Arbeitsrechte für überwiegend weibliche Handelsangestellte - Wirtschaftskammer präsentiert neue Studie

Wien - In Sachen Sonntagsöffnung in Wien wird im April eine Vorentscheidung erwartet: Die Wiener Wirtschaftskammer will Anfang des Monats die Ergebnisse einer Studie zu dem Thema präsentieren. Befragt werden HändlerInnen, TouristikerInnen, einheimische KundInnen und TouristInnen. Möglich wäre ein sonntägliches Aufsperren der Geschäfte in so genannten Tourismuszonen, die von Landeshauptmann Michael Häupl (S) festgelegt werden müssten.

Skeptischer Handel

Neuen Auftrieb hatte die Debatte Ende 2005 bekommen. Damals äußerte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, die Bereitschaft, über eine Sonntagsöffnung in Tourismusregionen zu verhandeln. Vor allem die Hoteliers zeigten sich darüber erfreut. Weiterhin skeptisch ist jedoch der Handel in Wien - abgesehen von manchen Einkaufszentren, die für eine möglichst liberale Regelung plädieren.

Der Obmann der Sparte Handel in der Wiener Wirtschaftskammer, Fritz Aichinger, betonte im Gespräch mit der APA, dass es nach dem Vorliegen des Umfrageergebnisses wohl noch Gespräche geben werde: "Zunächst wird abgefragt, dann muss es weitere Maßnahmen geben. Ich nehme an, es kommen Verhandlungen mit der Landesregierung und mit den Sozialpartnern."

Ob die Wünsche der Tourismus-Branche einem tatsächlichen Bedarf entsprechen, wollte Aichinger nicht kommentieren. "Jeder Wirtschaftszweig hat Eigeninteressen, hat andere Sichtweisen, die werden auch in der Umfrage zum Tragen kommen", meinte der Spartenobmann, der aus seiner Ablehnung einer Sonntagsöffnung nie ein Hehl gemacht hat.

"Kategorische" Ablehnung

Die Wiener FPÖ lehnt die Öffnung der Geschäfte am Sonntag - sowohl in eigenen "Tourismuszonen" als auch in den Einkaufszentren - kategorisch ab. Das hat Parteichef Heinz-Christian Strache am Montag in einer Aussendung betont. Gerade der Handel sei überdurchschnittlich von Frauen dominiert: "Wenn man dazu noch den hohen Anteil an Alleinerzieherinnen zurechnet, so kann man sich gut vorstellen, welche Probleme sich gerade für diesen Personenkreis ergeben."

Laut Strache leiden schon jetzt viele Frauen in Wien unter den Öffnungszeiten bis 21.00 Uhr, "die ihnen die Wiener Ladenöffnungszeitverordnung eingebrockt hat". An ein vernünftiges Familienleben sei dabei nicht mehr zu denken. "Nach wie vor sind in Wien die Kinderbetreuungseinrichtungen viel zu unflexibel, um eine durchgehende Betreuung bis in die Nachtstunden zu gewährleisten", kritisierte Strache.

Aber auch aus prinzipiellen Gründen sei die Sonntagsöffnung für die FPÖ nicht akzeptabel. Der Sonntag müsse auch in Zukunft den Familien gehören, betonte der FP-Chef.

Grüne Wien: "Auf Kosten der Frauen"

"Eine weitere Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten, insbesondere die Sonntagsarbeit, geht auf Kosten der Frauen", warnte die Stadträtin und Frauensprecherin der Grünen Wien, Monika Vana. So lange die Rechte der Bediensteten nicht maßgeblich verbessert werden, kommt für die Grünen keine Ausweiterung der Öffnungszeiten in Frage.

In Wien sind im Einzelhandel insgesamt etwa 57.000 Personen beschäftigt, mehrheitlich Frauen (in der Gruppe der Angestellten 64 Prozent). Sie seien konfrontiert mit familienfeindlichen Arbeitszeiten, niedrigen Löhnen und gesundheitlichen Belastungen. Atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse ("Working Poor") sind die Regel, Weiterbildungsmöglichkeiten oder Aufstiegschancen kaum vorhanden, so Vana. Auch für Kinderbetreuung und Verkehrsverbindungen zum Arbeitsplatz gibt es außerhalb der üblichen "Normalarbeitszeiten" zu wenig Vorsorgen. 87 Prozent der Teilzeitbeschäftigten im Handel sind Frauen.

Studie "Geldverschwendung"

Die aktuelle Studie der Wirtschaftskammer sei eine reine Geldverschwendung - liege doch die letzte Umfrage erst zwei Jahre zurück. Mehr als 80 Prozent der Befragten haben sich damals gegen eine weitere Ausweitung der Öffnungszeiten ausgesprochen. Die betroffenen ArbeitnehmerInnen wurden nicht in die Umfragen einbezogen. Vor zwei Wochen haben sich auch die Geschäftsleute der Mariahilfer Straße zu einem überwiegenden Teil, nämlich zu 84 Prozent gegen eine Öffnung der Geschäfte am Sonntag ausgesprochen.

"Statt immer neuer Befragungen brauchen Handelsangestellte bessere Arbeitsbedingungen, dazu gehört der Ausbau arbeitsrechtlicher Standards, die Schaffung qualitativer, existenzsichernder Teilzeitarbeit, Mehrstundenzuschläge für Teilzeitbeschäftigte, Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns auf Stundenbases, Mitbestimmung bei den Dienstplänen und Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftige im Handel", fordert Vana abschließend. (APA/red)

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