Multikonvergenz für Unternehmenskommunikation

21. März 2006, 12:01
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Strategien und nicht mehr technische Spielereien dominieren den ITK-Markt

Die Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk zählt in diesem Jahr zu den zentralen Themen der CeBIT. Bei einem Expertengespräch am CeBIT-Messestand des Behörden Spiegels äußerte Bernhard Steimel von Mind Business Conultants die Vermutung, dass eine Reihe von Herstellern große Investitionspotentiale bei den Netzanbietern sehen. "Hier steht eine neue Runde bevor, da die Netzinfrastrukturen für das Internet Protokoll (IP) technisch aufgerüstet werden müssen. Durch den Einzug von IP in den Unternehmen überlegt man zudem, wie man die TK-Anlagen stärker mit den Mobilfunknetzen verbinden kann", so Steimel.

Ursachenforschung

Es gibt nach Ansicht von Mehdi Schröder, Sales Director bei Ericsson Deutschland, verschiedenste Gründe für den hohen Stellenwert der Konvergenz auf der diesjährigen CeBIT. "Bei Ericsson betrachten wir dabei nicht nur die Integration von Sprache und Daten, sondern wir sehen das etwas komplexer in Richtung Multikonvergenz. Das Ganze betrifft auch die öffentlichen und privaten Netze - das betrifft die Kommunikation im Unternehmen und das Home Office. Auf verschiedensten Ebenen kommen die Dinge jetzt zusammen - technologisch, kommerziell und prozesstechnisch", sagte Schröder.

Die Unternehmen würden dabei immer mehr von der Überlegung getrieben, über die IP-Technik Kosten zu senken. "Aber IP alleine bringt gar nichts. Deshalb kann man nicht besser telefonieren. Entscheidend ist, dass jetzt Netz-Topologien zusammen kommen. Darüber hinaus werden die Geschäftsmodelle und Tarife der Netz-Anbieter für Unternehmenskunden immer attraktiver", erklärte Schröder. Einen weiteren Treiber für diese Entwicklung sieht Johannes Lenz-Hawliczek vom Branchendienst Portel bei den neuen Playern, die auf den TK-Markt drängen. "Man kann das daran erkennen, dass beispielsweise auf Siemens-Telefonen Yahoo-Messenger oder Skype-Applikationen integriert werden. Mittlerweile basiert sogar der Kundendienst der niederländischen Postbank auf Skype. Man kann als Web-Nutzer einfach einen Call Center-Agenten über Skype ansprechen. Diesen Trends kann sich niemand verschließen, so dass auch die klassischen Telcos nach neuen Geschäftsmodellen in der IP-Welt suchen müssen, um zu überleben", so Lenz-Hawliczek.

Wechsel

Die Zeit der technischen Spielereien sei endgültig vorbei, so die Prognose von Michael Sander vom Beratungshaus Terra Consulting Partner . "Ich sehe in diesem Jahr die CeBIT an einem Wendepunkt. Jetzt beginnt die Schlacht in der ITK-Welt erst richtig. Welche Strategien setzen sich im Markt durch? Da haben wir sehr viele Anbieter im Spiel. Die traditionellen Festnetzanbieter, die Mobilfunkbranche, die Daten-Carrier, die Kabelnetzbetreiber und die Content-Anbieter. Wir haben plötzlich eine Arena, wo Unternehmen wie Google und Microsoft noch ein Wörtchen mitreden werden", sagte Sander beim Behörden Spiegel-Roundtable.

Ganz so dramatisch werde der Markt nicht durcheinander gerüttelt, glaubt Ericsson-Manager Mehdi Schröder. "Es wird sicherlich neue Allianzen geben". Ein reiner Verdrängungswettbewerb werde nicht stattfinden. Eine funktionale Zusammenführung der Netze, der Applikationen und der Endgeräte stehe ganz oben auf der Agenda. "Alle ITK-Anbieter werden sich verstärkt mit der Mobilität auseinandersetzen. Bei den Anwendern auf der Unternehmensseite sind die mobilen Anwendungen bislang noch kein fester strategischer Bestandteil der gesamten Firmenkommunikation. Hier entstehen neue Märkte für die Beratung, für Service und Technikeinsatz. Für den Anwender muss das alles einfach zu handhaben sein. Zur Zeit kommunizieren Mitarbeiter noch über einen festen Apparat, über schnurlose Dect-Telefone, Handys und externe Push-Mail-Geräte. Man kommt locker auf drei bis vier Endgeräte. Das wird in Zukunft über ein einziges mobiles Endgerät abgebildet", so der Ausblick von Schröder. (pte)

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