Neue Diskussion um Sonntagsöffnung in Wien

27. März 2006, 15:33
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Nicht nur in der Tourismus-Branche, auch im Wiener Handel gibt es Befürworter - Absage von Familienministerin, Sozialstaatssekretär, Grünen und FPÖ

Wien - Nicht nur in der Tourismus-Branche, auch im Wiener Handel gibt es klare Befürworter einer Öffnung der Geschäfte am Sonntag - nämlich in den Einkaufszentren. Wobei bei den Center-Managern jedoch die Befürchtung besteht, dass ausgerechnet sie von einer möglichen Tourismuszonen-Regelung nicht profitieren könnten, etwa wenn diese nur für die Innenstadt gilt.

Nils-Christian Hakert, Retail-Management-Director von Rodamco Central Europa und seit kurzem auch Geschäftsführer des Wiener Donauzentrums (DZ), empfiehlt dem Wiener Handel eine Sonntagsöffnung - wenn auch vorerst keine generelle. Er sprach sich im Gespräch mit der APA für eine "Politik der kleinen Schritte" aus.

Blick zu den Nachbarn

"In Deutschland und auch in den Beneluxländern hat man mit vier verkaufsoffenen Sonntagen angefangen, und die waren alle ein sehr großer Erfolg für den gesamten Einzelhandel", betonte Hakert. Die Kunden hätten nicht nur zur Bedarfsdeckung eingekauft, sondern "tatsächliches Shopping" gemacht, bei dem laut Hakert auch Ersparnisse ausgegeben worden seien.

Der Donauzentrums-Chef sprach sich klar gegen speziell abgegrenzte Tourismuszonen aus: "Der einkaufende Kunde, egal ob er Einheimischer ist oder auch Tourist, geht nicht nach einem Stadtplan einkaufen. Das heißt, man muss es in ganz Wien erlauben." Eine Tourismuszone solle das gesamte Bundesland erfassen, wenn dies rechtlich möglich sei.

Kunden nicht irritieren

Sollten nur die Innenstadt oder angrenzende Bereiche zur Einkaufszone erklärt werden, würde das im 22. Bezirk gelegene Donauzentrum nicht aufsperren können. Hakert versicherte allerdings, dass dies nicht der Grund für eine Ablehnung einer derartigen Abgrenzung sei: "Ich abstrahiere von dem eigenen Interesse. Ich kann nur sagen, es ist kontraproduktiv. Der Kunde wird irritiert, und irritierte Kunden bleiben zu Hause."

Als Erfolg bezeichnete Hakert dass Offenhalten der Geschäfte im DZ am Donnerstagabend: Der lange Einkaufsabend werde sehr gut genutzt, etwa von "intensiv arbeitenden Bevölkerungsschichten", die sonst kaum Zeit zum Shoppen hätten. Das mit rund 200 Shops größte Einkaufszentrum Wiens hat 2005 nach eigenen Angaben das beste Jahr seiner Geschichte abgeschlossen. Der Umsatz konnte um 3,1 Prozent auf 286 Mio. Euro gesteigert werden.

Lugner: Mehr Umsatz zu erwarten

Auch einer der engagiertesten Befürworter möglichst ausgedehnter Öffnungszeiten, Richard Lugner, macht sich für ein Aufsperren der Geschäfte am Sonntag stark. Seine Lugner-City würde davon profitieren, ist er überzeugt: "Wenn wir am Sonntag offen hätten, könnten wir zwei oder drei Prozent mehr Umsatz haben", so Lugner.

"Man braucht nur schauen, was auf Bahnhöfen und Flughäfen am Sonntag los ist", so Lugner. Eine Öffnung der Geschäfte in Einkaufsstraßen bzw. -zentren wäre ideal für den Familieneinkauf, da während der Woche gemeinsame Shoppingtouren oft nicht möglich seien. "Und es sind auch die Touristen, die einkaufen wollen", versicherte Lugner.

Keine Tourismuszone gewünscht

Eine Beschränkung der Aufsperr-Erlaubnis auf die City stößt auf klare Ablehnung in der Lugner-City. Eine solche Tourismuszone wäre eine "klare Wettbewerbsbehinderung", kritisierte Lugner. Zusatz: "Die im 1. Bezirk wollen ja jetzt schon nicht am Abend aufsperren."

Im Gegensatz zur Lugner-City, die in der Nähe der Mariahilfer Straße liegt, ist das Auhof-Center im 14. Bezirk weit von den Einkaufsmeilen im Zentren entfernt. Eine oder auch mehrere Tourismuszonen in der Innenstadt wären auch für Betreiber Peter Schaider eine "klare Benachteiligung". Und zwar nicht nur für Einkaufszentren, sondern auch für viele Einkaufsstraßen, zeigte sich Schaider im Gespräch mit der APA überzeugt.

Generell zeigte sich Schaider - im Gegensatz zu seinen Kollegen im DZ oder in der Lugner City - in Sachen Sonntagsöffnung skeptisch: "Ich glaube nicht, dass das neue Einnahmen bringt." Und dass Touristen ein Sonntags-Shopping fordern, glaube er ebenfalls nicht: "Auch in Paris und London kann man am Sonntag nicht einkaufen, warum gerade in Wien?" Sollte der Markt dies aber erfordern, würde auch das Auhof-Center aufsperren, betonte Schaider.

Wiener FPÖ kategorisch dagegen

Die Wiener FPÖ lehnt die Öffnung der Geschäfte am Sonntag - sowohl in eigenen "Tourismuszonen" als auch in den Einkaufszentren - kategorisch ab. Das hat Parteichef Heinz-Christian Strache am Montag in einer Aussendung betont. Gerade der Handel sei überdurchschnittlich von Frauen dominiert: "Wenn man dazu noch den hohen Anteil an Alleinerzieherinnen zurechnet, so kann man sich gut vorstellen, welche Probleme sich gerade für diesen Personenkreis ergeben."

Laut Strache leiden schon jetzt viele Frauen in Wien unter den Öffnungszeiten bis 21.00 Uhr, "die ihnen die Wiener Ladenöffnungszeitverordnung eingebrockt hat". An ein vernünftiges Familienleben sei dabei nicht mehr zu denken. "Nach wie vor sind in Wien die Kinderbetreuungseinrichtungen viel zu unflexibel, um eine durchgehende Betreuung bis in die Nachtstunden zu gewährleisten", kritisierte Strache.

Aber auch aus prinzipiellen Gründen sei die Sonntagsöffnung für die FPÖ nicht akzeptabel. Der Sonntag müsse auch in Zukunft den Familien gehören, betonte der FP-Chef.

Haubner: Generelle Öffnung abzulehnen

Familien- und Sozialministerin Ursula Haubner hat am Montag einer generellen Sonntagsöffnung ebenfalls eine Absage erteilt. "Der Sonntag ist der Tag der Familien und soll es auch bleiben", betonte Haubner in einer Aussendung. Österreich habe ausreichende Öffnungszeiten, es gebe hier keinerlei Handlungsbedarf. "Bestehende Ausnahmen, wie in den Tourismuszonen, genügen völlig", so Haubner.

Auch für Sozialstaatssekretär Sigisbert Dolinschek kommt eine Sonntagsarbeit auch weiterhin nicht in Frage, wie er in einer Aussendung betonte: "Ich verstehe nicht, warum dieses Thema nun wieder aufkeimt. Das Recht des Arbeitnehmers auf einen freien Sonntag ist für uns unverrückbar. Die Berufe, in denen bisher schon am Sonntag gearbeitet wird, werden sicherlich nicht erweitert werden."

Die Frauensprecherin und nicht amtsführende Stadträtin der Wiener Grünen, Monika Vana, ist ebenfalls gegen eine weitere Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten. Insbesondere die Sonntagsarbeit gehe auf Kosten der Frauen, zeigte sie sich in einer Aussendung überzeugt.

Rechte der Bediensteten maßgeblich verbessern

Im Wiener Einzelhandel seien 57.000 Personen beschäftigt, wobei der Frauenanteil bei den Angestellten 64 Prozent betrage. "So lange die Rechte der Bediensteten nicht maßgeblich verbessert werden, kommt für die Grünen keine Ausweiterung der Öffnungszeiten in Frage", so Vana.

Die aktuelle Studie der Wirtschaftskammer ist laut Vana "reine Geldverschwendung". Die bisher letzte Umfrage liege erst zwei Jahre zurück. "Mehr als 80 Prozent der Befragten haben sich damals deutlich gegen eine weitere Ausweitung der Öffnungszeiten ausgesprochen", so Vana. (APA)

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