Cowboys und Feuchttücher

13. Februar 2008, 12:52
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Einst kontrovers diskutierte Innovation des Votivkinos, bieten mittlerweile mehrere Wiener Kinos ein "Babykino" an

Für Betreuende von Kleinstkindern, die ohne Babysitter nicht so einfach ins Kino kommen, stellt das Babykino ein besonderes Angebot - im oft etwas eintönigen "Jungmutteralltag" zwischen Stillen, Wickeln und Müttergesprächen - dar. Es ist dadurch möglich, mit Baby ins Kino zu gehen. Dieses Recht musste sich das Votivkino jedoch erst erkämpfen: Ein knappes Jahr nach der Eröffnung des Babykinos wurde aufgrund einer anonymen Anzeige ein Verwaltungs- strafverfahren eingeleitet. Nach heftigen Kontroversen rund um das Jugendschutzgesetz ("Darf man Kinder in Erwachsenenfilme mitnehmen?") wurde schließlich eine Novelle zum Wiener Kinogesetz beschlossen, das Babykino konnte seinen Betrieb wieder aufnehmen, und findet mittlerweile Nachahmer.

 

Mehr Angebote für Betreuende

So lautet die Forderung von Eva Brantner, Initiatorin und Betreuerin des Babykinos im Votivkino. Für Betreuende von Kleinstkindern sei es nicht immer einfach, Anschluss an aktuelle kulturelle Geschehnisse zu finden. Hierfür möchte das Babykino ein Anknüpfungspunkt sein: "Besucherinnen des Babykinos werden nicht als Mütter, sondern als Frauen angesprochen," so Brantner. Auch solle das Babykino ein Treffpunkt sein, wo neue Kommunikationsräume eröffnet werden können. Laut Brantner sei es sehr positiv, wenn auch andere Veranstalter Angebote für Betreuende machen, ob im Theater oder im Kino.

Umstellung im Spielbetrieb

Beim Babykino werden die Säle nicht ganz abgedunkelt und der Ton ist etwas leiser als normal. Deshalb sei es manchmal schwierig, einen geeigneten Film zu finden. Nach 65 Vorführungen mit mehr als 3000 BesucherInnen hatte das Votivkino den Spielbetrieb des Babykinos umgestellt: Vorführungen finden nun nicht mehr, wie zu Beginn, wöchentlich, sondern zweimal im Monat statt. Es sei nahezu unmöglich, Woche für Woche einen aktuellen Film zu finden, der sich eignet und zugleich breitenwirksam genug ist.

"Babysessions"

Wöchentlich und an mehreren Terminen gibt es in den Village Cinemas (Wien Mitte) "Babysessions". Auch englischsprachige Filme werden aufgrund entsprechender Nachfrage angeboten, erzählt Jasmin Peters, Betreuerin der "Babysessions". "Immer mehr Frauen nehmen das Angebot wahr." Eine verstärkte Werbekampagne habe man jedoch erst kürzlich gestartet. Die Idee "Babysessions" anzubieten sei entstanden, als die Geschäftsführerin ein Kind bekam. Größtenteils seien es Mütter, die das Babykino besuchen, manchmal Pärchen und nur selten Männer. Auch in den Village Cinemas in Wiener Neustadt gibt es ein Babykino.

"cinemama" im Filmcasino

Auch im Filmcasino gibt es ein besonderes Angebot für Eltern: "cinemama". Die Idee dahinter ist vielseitig: Zum einen geht es laut Dora Artner darum, Eltern den Kinobesuch zu erleichtern. Während der Filmvorführung wird eine kostenlose Kinderbetreuung für Kinder ab ein Jahr angeboten, die vom Verein "Station Wien" organisiert wird. Somit könne "cinemama" genauso "cinepapa" bedeuten. Es stehe aber die Frau im Zentrum des Blickfelds: Zwar werden nicht ausschließlich Frauenfilme gezeigt, doch bilden sie den Schwerpunkt des Filmprogramms. Neben Frauen und Männern mit Kleinkindern wolle man auch all jene Personen ansprechen, die abends keine Zeit zum Kinogehen haben.

Für Migrantinnen mit Kindern

Ganz besonders will das Filmcasino Migrantinnen ansprechen. So ist "cinemama" auch auf Initiative von und in Kooperation mit "Station Wien" entstanden, einem ehrenamtlichen Verein, der vor allem Anliegen von Migrantinnen mit Kindern vertritt. Laut Artner solle "cinemama" auch "etwas sein, das aus dem Rahmen fällt": Junge Migrantinnen mit Kindern, die ansonsten eher selten außer Haus kommen, sollen im Filmcasino ein spezielles Angebot finden. Hiermit solle auch ein kultureller Austausch gefördert werden. Viele Migrantinnen, die bei "Station Wien" Deutschkurse besuchen, nehmen das Angebot wahr: Für sie gibt es verbilligte Eintrittskarten, auch werden die Filme in deutscher Fassung gezeigt.(ruka)

Links
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Ansichtssache:
Brokeback Mountain im Votivkino

  • Artikelbild
    foto: votivkino
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