Verdacht auf H5N1 in Bayern nicht bestätigt

17. März 2006, 21:25
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Viren des Typs H5 und H7 aus­ge­schlossen - Seuche breitet sich weltweit weiter aus - Stadt in Rumänien unter Quarantäne

Berlin - Der Verdacht auf einen erstmaligen Ausbruch der Vogelgrippe in einem Nutzgeflügelbestand in Deutschland hat sich nicht bestätigt. Die abschließenden Untersuchungen im Labor des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hätten eine Infektion in dem Entenbestand in Bayern mit dem H5N1-Virus ausgeschlossen, teilten der deutsche Landwirtschaftsminister Horst Seehofer und FLI-Präsident Thomas Mettenleiter am Montag in Berlin mit.

Ein Schnelltest hatte bei sieben verendeten Enten zuvor Grippeviren vom Typ A nachgewiesen. Nach eingehenden Laboruntersuchungen der Proben aus dem Betrieb seien sowohl Vogelgrippe-Viren des Typs H5 als auch des Typs H7 ausgeschlossen worden, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut mit. "Damit steht eindeutig fest, dass wir nach wie vor keinen Fall von Geflügelpest in einem deutschen Nutzgeflügelbestand haben", erklärte Mettenleiter.

Gesamter Bestand getötet

Der gesamte Bestand des Geflügelhofs mit seinen 410 Tieren - darunter 200 Jungenten, 150 Enten und 60 Masthähnchen - wurde nach Bekanntwerden der Erkrankung getötet. Laut Schnappauf wurden die 200 Jungenten erst vor wenigen Tagen von einem Hof in Niedersachsen nach Lichtenfels geliefert. Weitere Lieferungen gingen an zwei andere bayerische Höfe. Hier gebe es aber keine Auffälligkeiten. Am Freitag wurde außerdem in zwei Nachbarkreisen von Lichtenfels erstmals bei Wildvögeln das H5N1-Virus festgestellt.

Schnappauf sagte, nun schwebe die Möglichkeit eines Exportverbots für Geflügel als "Damoklesschwert" über den Landwirten. Um dieses zu vermeiden, sei die Keulung des Bestands nötig gewesen. Die bayerischen Behörden würden weiter "schnell und konsequent" handeln.

Weitere Fälle

Unterdessen stieg im am stärksten von der Vogelgrippe betroffenen Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der bestätigten Fälle um fünf an. Zwei Schwäne und eine Gans auf der Insel Rügen, ein Mäusebussard in Steinhorst (Landkreis Nordvorpommern) sowie eine Tafelente in der Hansestadt Wismar seien vom Friedrich-Loeffler-Institut positiv auf H5N1 getestet worden. In Nordvorpommern wurde eine weitere entsprechende Schutzzone eingerichtet, in Wismar wurde nun die gesamte Hansestadt zur Schutzzone erklärt.

Damit erhöhte sich die Zahl der in Mecklenburg-Vorpommern amtlich festgestellten Infektionen auf 156 Wildvögel sowie drei Katzen und einen Steinmarder. Nutzgeflügelbestände sind dort nach wie vor nicht betroffen. Am 23. Februar hatte es zwar einen Vogelgrippeverdacht bei einer Hausente auf Rügen gegeben, dieser bestätigte sich aber nicht. Der Verdacht war bei der Kontrolle eines Hausgeflügelbestandes von 106 Enten und Hühnern bei Putbus auf Rügen aufgekommen. Auch hier wurde der gesamte Bestand vorsorglich getötet.

Polen: Wildente infiziert

Eine in der polnischen Stadt Swinoujscie (Swinemünde) nahe der deutschen Grenze gefundene Wildente war mit dem Vogelgrippe-Erreger H5N1 infiziert. Das Staatslabor in Pulawy prüfe nun noch, ob es sich um die hoch pathogene Variante des Virus gehandelt habe, an der weltweit bisher knapp 100 Menschen gestorben sind, sagte der stellvertretende Direktor Jan Zmudzinski. Auch in der Schweiz wurden am Montag zwei neue H5N1-Fälle bestätigt.

Burma: Höfe unter Quarantäne

Erstmals wurde die Vogelgrippe auch in Burma nachgewiesen. Mindestens vier Höfe wurden unter Quarantäne gestellt, wie der oberste Veterinär des südostasiatischen Landes am Montag am Telefon sagte. Er kündigte die Notschlachtung von tausenden Hühnern an. In Afghanistan bestand in fünf Fällen der Verdacht auf H5N1. Proben wurden zur Untersuchung nach Italien geschickt.

Schweiz: H5N1-Virus bei Vögeln bestätigt

In der Schweiz wurde das H5N1-Virus bei zwei weiteren tot aufgefunden Vögeln vom EU-Referenzlabor in Weybridge bestätigt. Damit ist bei bisher drei der elf Vogelgrippe-Fälle in der Schweiz das gefährliche Virus gefunden worden.

Rumänische Stadt unter Quarantäne

In Rumänien ist am Montag die erste Stadt wegen des Vogelgrippevirus unter vollständige Quarantäne gestellt, die Donauortschaft Cernavoda im Südosten des Landes mit rund 20.000 Einwohnern. Das Virus H5N1 sei vom Referenzlabor in Bukarest bei mehreren Nutzvögeln bestätigt worden, meldete das Landwirtschaftsministerium. Die Aktivität des Atomkraftwerkes in Cernavoda werde durch die Abschottung der Ortschaft nicht beeinträchtigt. Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe im Oktober 2005 hat Rumänien 44 Infektionsherde verzeichnet, von denen etwa 18 noch aktiv sind. Die Seuche hatte im Donaudelta begonnen und sich um etwa 400 Kilometer weiter nach Westen ausgeweitet.

Indien: Selbstmord aus Verzweiflung

Aus Verzweiflung hat sich ein indischer Hühnerzüchter das Leben genommen. Saktinath Mondal (45) habe einen Abschiedsbrief geschrieben und Unkrautvernichtungsmittel getrunken, sagte ein Behördensprecher. Er habe sich beim Aufbau seiner Geflügelzucht verschuldet und sei ruiniert gewesen, als die Preise nach Berichten über Vogelgrippefälle in der Region verfielen. Seit dem ersten Auftreten der Krankheit in Indien am 18. Februar gab es offiziell keine weiteren Infektionen. Tests bei knapp 100 Menschen waren negativ. Die Regierung mahnte daraufhin, wieder Hühnerfleisch zu essen und veröffentlichte Zeitungsanzeigen mit dem Hinweis, dass gekochtes Fleisch ungefährlich sei. (APA/AP/AFP/dpa/Reuters)

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