Lenzing: Mehr Umsatz, weniger Gewinn

27. März 2006, 14:28
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Ergebnis brach um fast 22 Prozent ein - Dividende für 2005 wird erst nach dem ersten Quartal festgelegt

Wien - Der börsennotierte heimische Faserhersteller Lenzing hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Das oberösterreichische Unternehmen konnte 2005 den Umsatz zwar ausweiten, hat aber vor allem wegen gestiegener Energiepreise deutlich weniger verdient. Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen erst nach dem ersten Quartal 2006 festsetzen, so Lenzing-Vorstandssprecher Thomas Fahnemann am Montag bei der Bilanzpressekonferenz. Für 2004 hatte Lenzing 8 Euro nach 6 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Während der Umsatz der Lenzing AG 2005 nach vorläufigen Zahlen um 8,2 Prozent auf 942,6 Mio. Euro zulegte, musste das Unternehmen beim Betriebsergebnis (EBIT) einen Einbruch um 21,6 Prozent auf 81,8 Mio. Euro nach 104,3 Mio. Euro im vorangegangenen Jahr hinnehmen. Der Jahresüberschuss sank in Berichtszeitraum um 15,9 Prozent auf 67,7 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie ging um 15,9 Prozent von 18,41 auf 15,48 Euro zurück.

Absatzeinbruch am europäischen Textilmarkt

Das Kerngeschäft bei Fasern, so Fahnemann, war zwar von einer guten Mengenkonjunktur gekennzeichnet, sinkende Faserpreise und steigende Produktionskosten haben sich allerdings negativ auf das Ergebnis ausgewirkt. Besonders betroffen war der europäische Textilmarkt, wo es infolge der Marktöffnung nach dem WTO-Abkommen zu einem Absatzeinbruch gekommen ist. Zusätzlich belastet wurde das Ergebnis durch Verteuerungen auf der Rohstoff- und Energieseite, die sich mit rund 35 Mio. Euro niederschlugen.

Vor diesem Hintergrund habe Lenzing 2005 durch Gegensteuern ein durchaus erfolgreiches Ergebnis erreicht, so Fahnemann. Durch die Erschließung neuer Märkte und Produktionsinnovationen sei die Marktstellung im Textilbereich verbessert worden. Als Beispiel nannte Fahnemann die mit der Übernahme der Tencel-Unternehmensgruppe gestartete engere Zusammenarbeit mit Sportbekleidungshersteller Adidas oder Nike. Insgesamt konnte die Produktionsmenge im Kerngeschäft cellulosischer Fasern im Vorjahr um 9,5 Prozent auf 454.000 Tonnen angehoben werden. Auf das Kerngeschäft entfielen 81 Prozent des Konzernumsatzes.

Marktanteile gewonnen werden konnten auch im Nonvovens Bereich. Dies gelang durch die Einführung neuer Produkte im technischen und medizinischen Bereich. Lenzing ist heute als einziger Nonvovens-Anbieter in der EU, den USA und Asien mit Produktionen präsent.

Papierbereich weiter schwach

Während sich die Sparten Technik und Plastic 2005 gut entwickelt haben, blieb der Papierbereich weiter ein Sorgenkind, das bereits seit drei Jahren Verluste schreibt. Papier habe nie zum Kernbereich des Unternehmens gezählt, so der zuständige Vorstand Peter Untersperger. Man spare bereits an allen "Ecken und Enden" und gehe nur dann von einem Turnaround aus, wenn sich auch der Markt positiv entwickelt.

Die Aussichten für 2006 schätzt Fahnemann für "günstig" ein. Die Mengennnachfrage war zum Jahresbeginn 2006 gut. Allerdings sei das Preisgefüge "bei weitem noch nicht zufriedenstellend" gewesen. Vor allem der niedrige Baumwollpreis und die hohen Lagerbestände drücken auf das Faserpreisniveau. Die Ergebnisentwicklung werde heuer davon abhängen, inwieweit es gelinge, durch interne Maßnahmen und Preisanpassungen die Preis-Kosten-Schere zu schließen.

Preiserhöhungen

Kostenoptimierungsprogramme seien im Laufen. Im 4. Quartal 2005 seien bereits Preiserhöhungen im Bereich von 3 bis 5 Cent durchgesetzt worden. Im Jänner habe es weitere Anhebungen gegeben. Den nächsten Wachstumsschub erwartet Lenzing zum Jahreswechsel 2006/2007 mit der geplanten Fertigstellung des rund 70 Mio. Euro teuren Viscosefaserwerkes in Nanjing in China. Um den indischen Markt besser bearbeiten zu können, wird in Bombay demnächst ein Büro eröffnet. (APA)

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