Blutanalyse: Medikamente gegen Lepra und Tuberkulose entdeckt

12. März 2006, 20:37

Bereits vor seinem Tod wurde Blut untersucht: Gefundene Substanzen hätten Mittel gegen Bluthochdruck und Herzprobleme neutralisiert

Amsterdam/Moskau/Den Haag - Vor dem Tod Slobodan Milosevics sind einem Fernsehbericht zufolge in seinem Blut Spuren von Medikamenten gefunden worden, die dort nicht erwartet worden waren. Die Präparate würden häufig von Patienten genommen, die gegen Tuberkulose und Lepra behandelt würden, berichtete der niederländische Fernsehsender NOS am Sonntag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Informanten.

Die Substanzen hätten die Wirkung von Mitteln gegen Bluthochdruck und Herzprobleme neutralisiert, mit denen der Ex-Präsident behandelt wurde. Das habe eine Untersuchung ergeben, mit der Ärzte feststellen wollten, warum die Milosevic verabreichten Blutdruckmittel nicht wirkten.

Obduktionsergebnisse werden für Montag erwartet

Der jugoslawische Ex-Präsident wurde am Sonntag obduziert, um die genaue Todesursache festzustellen. Offizielle Ergebnisse wurden erst für Montag erwartet. Milosevic war am Samstag tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Der wegen Kriegsverbrechen Angeklagte litt seit langem an Herz- und Kreislaufproblemen.

Milosevic hatte seinem Anwalt zufolge einen Tag vor seinem Tod den Vorwurf erhoben, mit falschen Medikamenten behandelt worden zu sein. Der 64-Jährige habe den Verdacht am Freitag in einem Schreiben an die russische Regierung geäußert und um Hilfe gebeten, sagte Milosevics Anwalt Zdenko Tomanovic am Sonntag in Den Haag. Er hatte eine Kopie des handschriftlich verfassten Briefes des Verstorbenen dabei. Tomanovic nannte keine weiteren Einzelheiten.

Nach Ansicht eines russischen Arztes könnte Milosevic seine Tabletten gegen Bluthochdruck heimlich ausgespuckt haben. Milosevics Ärzte in Den Haag hätten diesen Verdacht gehegt, sagte der Chef der Moskauer Herz-Kreislauf-Klinik Bakulew, Leo Bokeria, dem russischen Fernsehsender NTW. "Mit Tests wollten sie die Medikamente in seinem Blut nachweisen, weil sie glaubten, er verstecke sie in seinen Backentaschen." (APA/Reuters/AP)

Share if you care.